Die diesjährigen Impulse, das biennal stattfindende Festival Freier Theater startet mit einer Frage: Wie besetzt man einen imaginären Raum innerhalb eines imaginären Kontexts? andcompany&Co., seit Jahren ausgewiesene Experten für lustvolles Politdiskurs-Jonglieren, besetzen gemeinsam mit flämischen und niederländischen Kollegen die Kölner Studiobühne und proben den Aufstand. Denn während die holländischen Geusen sich vor bald 450 Jahren gegen ihre spanischen Unterdrücker auflehnten, schrieben die Deutschen noch Jahre später lieber Theaterstücke darüber – Goethes „Egmont“ beispielsweise und Schillers „Don Carlos“. Zusammen mit dem flämischen Theatermacher Joachim Robbrecht wird ein temporäres Transnationaltheater ausgerufen und dafür aktuelle Streitschriften wie der „Kommende Aufstand“ des Unsichtbaren Komitees mit Schillers „Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande“ zu einer assoziativen Tour de Force verbunden, die vom 30jährigen Krieg über das „Occupy-Movement von 1940“ bis zu den New Yorker Besetzern des Zuccotti Parks vor anderthalb Jahren führt. Im historischen Kostüm vergangener Revolutionen betreten die Akteure die von ihnen besetzte Bühne: die Geusen, die Bettler sind zurück!
Aber, Identität entsteht auch durch Abgrenzung und die furchtsame Definition des Anderen, das fremd bleibt und irgendwie bedrohlich. Und so sind Menschen mit geistiger Behinderung seit je kaum Teil unseres gesellschaftlichen Diskurses. Seit vielen Jahren nimmt sich das Schweizer Theater HORA mit seinen behinderten Schauspielern den Raum und das Recht, so sichtbar zu sein, wie sie es selbst wollen. In Zusammenarbeit mit dem französischen Choreografen Jérôme Bel – einer Schlüsselfigur zeitgenössischen konzeptuellen Tanzes – ist ihnen mit „Disabled Theater“ eine der erfolgreichsten Freien Theaterproduktionen der letzten Jahre gelungen. Und der Beweis, wie sehr diese Performer mit ihrer besonderen Präsenz die Bühne bereichern können. In einer Gesellschaft, die sich selbst als normal definiert, gilt geistige Behinderung weithin als das radikale Gegenteil intellektueller Schärfe und Kultiviertheit. Bel rückt diese Mechanismen ins Zentrum und deutet unübersehbar auf unsere blinden Flecken.
„Der (kommende) Aufstand“ I Do 27.6. 19.30 Uhr I Studiobühne Köln
„Disabled Theater“ I Fr 28.6. 19 Uhr I Ringlokschuppen Mülheim
Impulse Info: 0202 69 82 72 78
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