Zwanzig Minuten lang fällt kein Wort, nur ein regelmäßiges Klopfen ist zu hören, dann geht die Tür auf. Unter großer Anstrengung werden Menschen hineingetragen, fallen und liegen gelassen. Sie scheinen leblos, doch erwachen sie wie aus einem Traum, und es beginnt die Wiederholung des immer Gleichen.
Sechs Jugendliche unter der Leitung von Tobias Bergmann haben sich im Rahmen des Jungen Theaters an der Ruhr in Mülheim mit Geschichten Michael Endes beschäftigt und ihre Ideen dazu im Theaterstück „Ein Labyrinth“ verwirklicht. Was dabei herausgekommen ist, ist nicht nur die Darstellung der permanenten Wiederholung des Alltäglichen, es ist vor allem der Versuch, daraus auszubrechen. Raus aus einem Raum, dessen Tür geschlossen bleibt; raus aus dem Alltag, der ein unendliches Regelwerk vorgesehen hat, kaum Raum für die Entfaltung des eigenen Ich bietet, keine Ruhe für Schattenspiele an der Wand.
Die im Grundgesetz verankerten Rechte des Menschen auf Gleichheit, Freiheit, Leben und körperliche Unversehrtheit werden genauso schnell zu einem Käfig, der keinen Handlungsspielraum bietet, wie die zehn Gebote. Die namenlosen Figuren versuchen zunächst sich anzupassen, den von ihnen erwarteten Tonfall zu übernehmen. Das funktioniert – auch dann noch, wenn ein Einzelner rausfällt, denn den kriegt man schnell wieder eingegliedert. Was aber passiert, wenn nach und nach immer mehr aussteigen aus dieser Gesellschaft, am Ende keiner mehr funktioniert, wie es von ihm erwartet wird? Dann wird der Versuch, die Ordnung wiederherzustellen, den hier sinnbildlich ein Beamter unternimmt, zur Sisyphosaufgabe.
Für die Figuren auf der Bühne ist die Verlockung des Paradieses, das sich jenseits des geschlossenen Raums zu befinden scheint, so groß, dass sie eine Möglichkeit finden müssen auszubrechen – und sie beginnen, ein Theaterstück zu spielen. Aber ist das die Lösung? Bleibt am Ende nicht nur der Selbstmord? Oder doch die Befreiung des Ich durch die Ermordung des angepassten Spiegelbildes?
Die SchauspielerInnen demonstrieren diese gesellschaftlichen Fragen in sehr eindrücklichen Bildern und Metaphern und lassen dabei doch Raum für eigene Antworten. Ihre Figuren wirken abwesend, gar benebelt, unkommunikativ – und halten dem Publikum am Ende selbst den Spiegel vor.
„Ein Labyrinth“ I Mi 4.7. 18 Uhr I Theater an der Ruhr, Mülheim I 0208 599 01 88
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