Rötlich schimmernd thront der Vollmond über der Meeresoberfläche, während am Ufer Menschen auf der sommernächtlichen Wiese tanzen – die einen umschlungen, die anderen allein, kauernd oder in sich verschränkt. Edvard Munch zeigt mit dem expressionistischen Gemälde „Der Tanz des Lebens“ das Beziehungsgeflecht einer Festgesellschaft. Die somnambule Szenerie inspirierte den Starchoreografen Jiří Kylián zum Stück „Forgotten Land“. Am Essener Aalto-Theater kommt es an drei Terminen im April auf die Bühne, aber nicht allein: Unter dem Titel „Relations“ zeigen Kylián und der ebenso renommierte schwedische Choreograf Johan Inger gleich drei Stücke in einer Produktion.
Die Wege der beiden Choreografen kreuzten sich nicht nur im Den Haagener Nederlands Dans Theater, das als eine Institution des zeitgenössischen Tanzes gilt. Beide waren zudem bereits in Essen tätig: Während Inger 2024 die Liebestragödie „Carmen“ mit den weltberühmten Melodien von Georges Bizet als Ballett in zwei Akten auf die Bühne brachte, bündelte Kylián vor knapp zehn Jahren unter dem Titel „Archipel“ gleich fünf Stücke.
Die choreografische Zusammenarbeit der beiden Altmeister hat eine dramaturgische Klammer: die Beziehungsweisen oder laut dem Titel der Produktion „Relations“ in ihrer mannigfachen Ausprägung. Ingers „Walking Mad“ (2001) greift das bekannte Stück „Boléro“ von Maurice Ravel auf, um das Beziehungsgefüge zum Inneren auszuloten, zu Sehnsüchten oder Ängsten. Mit dem Unbewussten befasst sich auch Kyliáns „Sleepless“ (2004), das vom Wachen und Schlafen handelt – untermalt von den Kompositionen Wolfgang Amadeus Mozarts oder Dirk Haubrichs.
Um eher abstrakte Relationen dreht sich dagegen Kyliáns Bewegungsreflexion „Forgotten Land“ (1981): Mensch und Natur, Erde und Meer. Neben Munchs „Tanz des Lebens“ diente dem 1949 geborenen Tschechen Kylián auch die „Sinfonia da requiem“ von Benjamin Britten als Inspiration.
Relations | 18., 25.4. je 19 Uhr, 29.4. 19.30 Uhr | Aalto Ballett Essen | 0201 812 22 00
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