Dreimal Peepshow in London. Drei Räume, drei Personen, ein Ort, wie er unwirklicher nicht sein könnte. Ein Moloch der gleichzeitig Live Aid-Hysterie, Olympia-Euphorie und Mord-Gelüste beherbergt. Destruktiv bis zur Selbstaufgabe. Die persönliche Verächtlichung als allgemeine Morgenröte. London is Calling, die Katastrophen waren bekannt und sie halten an, trotz des wirren Jahrzehnts, das zwischen dem Bombenattentat in London 2005 und denen in Paris 2015 liegt. Die Ursachen breiten sich aus in Europa. „Time takes a cigarette.“ Es sind die drei großartigen Schauspieler, die sich in der Inszenierung von Catherine Umbdenstock hinter den Peepshow-Jalousetten verbergen. Matthias Heße, Marissa Möller und Frank Wickermann – das sind die Pornographen ihrer Protagonisten mit ihren eigenen Geschichten in London. „Are you ready to change history?“ Es konnte ja niemand wissen, wen Madonna da gemeint hatte, fünf Tage vor dem Knall in der U-Bahn. Könnte es der wichtigste Tag gewesen sein, und für wen?
Kaputt sind sie alle diese Menschlein, die sich da 100 Minuten die schwarze Schräge in der Moerser Kapelle hinunter schleppen. Zuerst die junge Mutter, die an Umfeld und Leben verzweifelt. Die sich am Arbeitgeber rächt und wichtige Dokumente verrät. Der Junge, der seiner Lehrerin nachstellt, dessen Psyche längst der Gesellschaft gehört, die sie gar nicht haben will, der unter dem Bett seiner Schwester, oder ist das schon der nächste Wahnsinnige, der uns alle bedroht? Die Gesichter der Mörder von London sind bekannt, die Fratzen der Psychos in der Nachbarschaft nicht. Die Gesellschaft höhlt sich aus. Dekadent, inzestuös? Zur Kulturverteidigung oder nur als Farce, oder einfach nur vielleicht? Simon Stephens Stück ist längst nicht mehr an einen Zeitpunkt gekettet, die Bombe an sich nicht mehr das Glied der Verkettung von Ereignissen. Und doch gehört die Welt den letzten Augenblicken, wenn die Alten erzählen, vom vergangen Leben, von der verstrichenen Zeit. Ulrich Wickermann als 83-jährige Frau, die einsam nach Hause laufen muss, weil die U-Bahn nicht fährt. Warum nur? Rule Britannia, Britannia rules…
„Pornographie“ | R: Catherine Umbdenstock | 12.2., 19.2. 19.30 Uhr | Kapelle Moers | www.schlosstheater-moers.de
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