„Außerhalb meiner Wohnung bist du mir lieber als drin“ – der Satz fällt aus dem Mund des Freundes Paul. Am Tisch die Ehefrau, die Kinder, Stimmen aus der Nachbarschaft. Familienleben, in das der schmutzig abgerissene Flüchtling Georg einzudringen droht. Mit sechs weiteren Inhaftierten ist er aus dem Konzentrationslager geflohen. Während der Kommandant sieben kreuzförmige Galgen aufstellen lässt und in pervertierter Destruktionsteleologie sich sieben Tage für die Re-Inhaftierung gibt, irrt Georg durch das wohlsortierte Nazideutschland des Jahres 1937.
Anna Seghers Roman „Das 7.Kreuz“, erschienen 1942 in Mexiko, ist allerdings kein plotlastiges Flüchtlings-Roadmovie, sondern ein virtuoses Kaleidoskop aus Rückblenden, Gesprächen, Landschaftsbeschreibungen, inneren Monologen. Das macht die Dramatisierung nicht einfach. Lars-Ole Walburg, Intendant am Schauspiel Hannover, hat sie am Haus seines Zöglings Florian Fiedler trotzdem gewagt. Auf der Bühne des Oberhausener Theater wird gleich mit Bedeutung geklotzt: Die sechs SchauspielerInnen irren in weißer Unterwäsche über ein aufgestelztes Hakenkreuz (Bühne: Maria-Alice Bahra), dessen Arme als Laufstege dienen. Der Nebel wabert, die sechs SchauspielerInnen wälzen sich im Schlamm (der später zum Stigma wird), entgehen den ersten Suchtrupps, die Musik dräut – doch kaum ist die Atmo herbeizitiert, ist schon wieder Schluss mit Einfühlung. Ein Mann mit krähend- überschlagender Stimme spricht Frauen die Fähigkeit ab, Romane zu verfassen. Ausnahme: Anna Seghers. Unverkennbar, es handelt sich um eine Karikatur von Marcel Reich-Ranicki, die später nicht nur Teile der Handlung nacherzählt, sondern auch noch eine Brechtfigur hereinschiebt.
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