„Buch 5 (ingredientes de la vida)“
Foto: JU_OSTKREUZ

Schreiben für hier und heute

31. März 2016

Die 41. Mülheimer Theatertage NRW „Stücke“ – Theater Ruhr 04/16

Das gibt´s doch gar nicht. Die Grand Dame der Deutschen Nachkriegs-Dramatik, die Nobelpreisträgerin und Dauergewinnerin des Mülheimer Dramatikerpreises ist nicht dabei. Stücke 2016 ohne Elfriede Jelinek, kaum vorstellbar, ja wer hat denn da? Frau Jelinek wird das kalt lassen, einen ebenfalls durchgefallenen Peter Handke wahrscheinlich nicht. Vielleicht kam sein in Wien uraufgeführte Stück „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ einfach zu spät auf die Bühne. Was soll‘s. Wie jedes Jahr seit 1976 wurden für eines der wichtigsten Festivals im deutschsprachigen Raum sieben Stücke nominiert, deren Autoren und Autorinnen um den renommierten, mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis buhlen.

Die Inszenierung ist dabei nicht entscheidend, so kommt es in diesem Jahr sogar vor, dass vom Berliner Maxim Gorki Theater gleich zwei Stücke nominiert wurden. Neben Sibylle Bergs „Und dann kam Mirna“ für fünf Frauen und ihre Töchter auch die diesjährige heimliche Favoritin Yael Ronen (im letzten Jahr „nur“ Publikumspreis) mit ihrem Stück „The Situation“, das sie mit ihrem Ensemble erarbeitete und das bereits auch zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. Die Israelin, die selbst inszeniert, lässt Schauspieler aus Palästina, Israel, Syrien in einem Deutschkurs aufeinandertreffen. Aber auch die anderen fünf sind nicht ohne: Da kommt manisch PS-getriebenes „dosenfleisch“ von Ferdinand Schmalz auf die Bühnenstraße oder auch „Buch 5 (ingredientes de la vida)“ von Fritz Kater, eine deutsche Utopiekritik. In „Drei sind wir“ von Wolfram Höll verschwindet ein Kind und in „Bilder von uns von“ geht es Thomas Melle um Missbrauch. Das führt zum Schluss zu „Zweite allgemeine Verunsicherung“ von Felicia Zeller. Hier regnet es auf dem roten Teppich einer Filmpreisverleihung tote Vögel, während Prominente im Blitzlichtgewitter versuchen, in ihren zerrütteten Nervenkostümen Selbstzweifeln und -vorwürfen, verunsicherten Sicherheitsmännern, pseudopolitischen Regisseuren, Umweltaktivisten und drohenden Weltkatastrophen zu trotzen. Warte bis die Bombe fällt. Leicht wird es die Jury nicht haben. 

Stücke 2016 | 7.-26.5. | Mülheim | stuecke.de

PETER ORTMANN

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