Algorithmen prägen unser Leben, sie steuern nicht nur unser konsumistisches Begehren, sondern beeinflussen auch unsere geistigen Bedürfnisse – dann sollte man mit ihnen eigentlich auch ein transzendentales Produkt entwickeln können. Die Gruppe Prinzip Gonzo will mit Prinzipien der Produktentwicklung aus der Softwareindustrie eine neue Religion erschaffen. „Aus dem Glauben an die Erhabenheit der Welt wollen wir ein spirituelles Start-up erarbeiten mit der Selbstbestimmung atheistischen Denkens, dem Wertesystem humanistischer Überzeugungen und den demokratischen Grundstrukturen einer modernen Gemeinschaft“, heißt es in einem Konzeptpapier zu „Erleuchtet!“. Nach Vorrecherchen in Berlin kommt die Gruppe jetzt nach Köln ans Freie Werkstatt Theater, um dort an Ritualen zu arbeiten und das Material auf seine Theatralität zu erproben, erzählt David Czesienski von Prinzip Gonzo. Möglich ist das durch die Teilnahme an dem einzigartigen Recherche-Projekt flausen – young artists in residence.
Mit der Preisgabe traditioneller narrativer Erzählformen ist die Stückentwicklung ins Zentrum der Arbeit in der freien Szene gerückt. Ohne Recherche geht nichts. Das Dilemma: Die Projektförderung der freien Szene zielt auf traditionelle Probenverläufe mit Premiere. Eine Verwertungslogik, die wenig Raum für ergebnisoffene Forschung lässt. Dieses Manko versucht das Theater wrede+ mit seinem Projekt flausen+ beheben. Seit 2010 bietet Theaterleiter Winfried Wrede im Oldenburger Bahnhofsviertel vier- bis sechswöchige Stipendien für Gruppen an. Als Unterstützung gibt es 1400 Euro pro Performer und 1000 Euro Forschungsetat. flausen+ ist allerdings kein Selbstbedienungsladen, in dem man Förderung abgreifen kann. Professionalität ist Voraussetzung, Auftritte während der Forschungsresidenz sind tabu, das Probetagebuch ein Muss, der Dialog mit einem Mentor auch, und am Ende werden die Ergebnisse in einem „Making of…“ öffentlich präsentiert.
Inzwischen treffen alljährlich über 100 Bewerbungen aus ganz Deutschland in Oldenburg ein, so Winfried Wrede. Also hat der umtriebige Theaterleiter beschlossen, flausen+ zunächst auf NRW auszudehnen. Nachdem die Bezirksregierungen, die Kunststiftung NRW und die Städte die Finanzierung zugesagt haben, geht es im Juli an den Start: Das Theaterlabor Bielefeld beherbergt das Kölner nö theater und das theater im ballsaal in Bonn die Berliner Gruppe MÜLLER*****. Das Kölner Freie Werkstatt Theater bekommt es mit Prinzip Gonzo zu tun. Die Gruppe wird hier für vier Wochen arbeiten, zusammen mit Mentor Veit Sprenger von Showcase Beat Le Mot. Ob daraus eine Produktion wird, weiß David Czesienski noch nicht. Flausen+ entbindet die Teilnehmer außer dem Making of (29.7., 20 Uhr) von jedem Aufführungszwang. David Czesienski spricht deshalb auch von einer „Zeit ohne Druck“. Man kann auch sagen, dass für vier Wochen die Selbstausbeutung zum Stillstand kommt. Flausen+-Chef Winfried Wrede denkt allerdings schon weiter und spinnt an einem Aufführungsnetzwerk von Häusern, damit aus den Recherchen am Ende dann doch noch Produktionen werden.
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