Es ist nicht gerade ein Wiedersehen, wie man es sich wünscht. Vom ehemaligen Schulfreund ist nur noch ein vermoderter Klumpen Fleisch übrig. Jahrelang hat er in einem Fluss gelegen, nun liegt er auf Boons Seziertisch. Und Boon geht allmählich auf, wen er da vor sich hat. Es ist kein Schock für den Gerichtsmediziner. Er ist ein nüchterner Mensch. Seine Leidenschaften hat er schon vor langer Zeit begraben. Doch mit Murdoch, dem toten Schulfreund, kehrt die Erinnerung daran schlagartig zurück. In ihr wird Murdoch wieder lebendig, der rebellische, zornige Junge, der sich mit der gleichgültigen Konsumgesellschaft partout nicht abfinden will. Boon wäre gern so wie er gewesen, aber Boon war zur Rolle des Strebers verdammt. Seine Leidenschaften lebte er als schwärmerischer Jungliterat aus – und wäre gern ein richtiger Schriftsteller geworden. Diesen Wunsch hat Boon ebenfalls beerdigt. Murdoch hätte seine Ideale niemals begraben. Er ist stattdessen selber in den Tod gegangen.
Wajdi Mouawads erstes Jugendstück ist nicht gerade zu einem Stoff für sonnige Gemüter geraten. „Die Durstigen“ strotzen vor pubertärem Weltschmerz, Zorn und Todessehnsucht. Sie dürsten nach dem Schönen, nach Gerechtigkeit. Damit liegt der im Libanon geborene Kanadier durchaus auf der Linie klassischer Jugendstoffe. Der ebenso reißerische wie modische Kunstgriff, einen Gerichtsmediziner zu bemühen – das Fernsehprogramm lässt grüßen – macht das Stück nicht unbedingt origineller. Allerdings überzeugt Mouawad mit seiner Ehrlichkeit, die Sturm-und-Drang-Jahre offen aus der Sicht des Erwachsenen zu rekonstruieren. Er gaukelt seinem jungen Publikum (ab 14) nicht vor, genau zu wissen, was es bewegt. Dem Zuschauer, egal wie alt, bleibt so die Freiheit, sich selber zu erkennen oder auch nicht.
Die szenische Umsetzung stellt eine echte Herausforderung dar, denn die drei Hauptfiguren agieren überwiegend in langen Monologen. Zudem sind verschiedene Zeitebenen, Realität und Fiktion komplex miteinander verwoben. Die junge Regisseurin Romy Schmidt führt einfallsreich durch dieses Labyrinth, mit einfachen, geschickt gesetzten Mitteln, und kann sich dabei voll auf die Energie und Ausdruckskraft ihrer ebenfalls noch sehr jungen Darsteller verlassen. Beeindruckend düster, immerhin mit einem Lichtblick am Ende.
„Die Durstigen“ I Di 7.2., 20 Uhr I Prinz-Regent-Theater Bochum I 0234 77 11 17
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