Anna Wille von den „Leien des Alltags“
Foto: Ulrich Wille

Sozialhorror und Gentrifizierung

16. September 2016

Bühnen-Vorschau: Schutt in der Rottstraße, Gentrifizierung im RiLo – Bühne 09/16

Harter Sozial-Realismus trifft Surrealismus mit Horror-Anleihen: Der britische Dramatiker Dennis Kelly hat 2002 mit „Schutt" ein Familiendrama zu Papier gebracht und damit das Genre auf ein neues Niveau gebracht, Kritiker der Times und der Süddeutschen Zeitung überschlugen sich vor Lob. Warum? Weil Kelly das Elend am Rande der Gesellschaft nicht nur darstellt, sondern fühlbar macht – bis in die bizarrsten Winkel des Unterbewusstseins zweier verlorener Kinderseelen. Welches Bochumer Theater diesen Stoff nun auf die Bühne bringt, dürfte nach dieser Beschreibung leicht zu erraten sein. Am kommenden Freitag (23.9.) feiert die Inszenierung von Michael Lippold Premiere. Die beiden Waisen Michael und Michelle, die Hauptfiguren des Stückes, werden von Tim-Fabian Hoffmann und Johanna Wieking gespielt. Los geht's um 19.30 Uhr und zwar – richtig geraten – im Rottstr5-Theater.

Die beliebten Settings der Sozial-Realisten (triste Vororte und Armenghettos) bieten freilich auch unschätzbare Vorteile, wie zum Beispiel niedrige Mieten. Die locken irgendwann auch die oft beschworenen „jungen Kreativen" inklusive deren gastronomischer Entourage, sprich: „Szene-Kneipen", „alternative Cafés" und Konsorten. Berlin kann ein Lied davon singen, es erklang vor einigen Jahren im Prenzlauer Berg, dann in Kreuzberg und inzwischen selbst in Vorzeige-Problembezirken wie Neukölln und dem Wedding. Es klingt zwar heiter, doch ist es ein trauriges Lied und es titelt sich Gentrifizierung.

Gentrification ist dann auch der Titel eines Stücks, welches dieses Wochenende im Rahmen der Ruhrtriennale im Ringlokschuppen Mülheim zu sehen sein wird. Das junge Theater-Kollektiv „Leien des Alltags" wagt die Rückkehr an den Ort seiner Entstehung: Sie beobachten, wie die Gentrifizierung die geliebten Orte ihrer Kindheit und Jugend unter einer Flut an Sojamilch begrub. Und wie so oft auf hoher See ist das Boot schnell voll: Die Armen müssen weichen, die Reichen kommen und kaufen (dafür natürlich Bio). Trotzdem: Im Ruhrgebiet sieht die Truppe einen „Gentrifizierungs-Nachholbedarf." Watt? Dat woll'na wa doch ma sehen. Und zwar um 17 Uhr im Ringlokschuppen Mülheim, jeweils am Samstag (17.9.) und Sonntag (18.9.).

Schutt | R: Michael Lippold | Fr 23.9. 19.30 Uhr | Rottstr5-Theater, Bochum | www.rottstr5-theater.de

Ruhrtriennale: Gentrification | R: Leien des Alltags | Sa 18.9. & So 19.9. je 17 Uhr | Ringlokschuppen Mülheim | www.ringlokschuppen.de

Dominik Lenze

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