Der Termin ist extrem günstig. Am ersten Wochenende im Neuen Jahr klingeln die guten Vorsätze noch lautstark in den Ohren: Weniger coachen oder chillen, weniger fernsehen, weniger ausgeben, auch mal Kultur genießen statt nur abzuhängen. Und da steht der „Winterjazz“ vor der Tür, ein einziger Termin, vollgestopft mit Jazz und engagierten Musikern aus dem Umland, die Gelegenheit für einen Ein- oder Überblick auf einen Schlag – und Einritt frei! Jetzt zündet diese Bombenidee aus New York zum dritten Mal im Kölner Stadtgarten. Schön, dass diese Institution weiter unangepasst auf Konfrontation setzt. Denn weitestgehend handelt es sich um Musiken, die bei Laien häufig so beschrieben werden: Jazz ja, aber nicht diese(s) … Und genau diese Spielarten auf dem breiten Acker des Jazz werden beim Winterjazz geerntet. Das ist sehr ungewöhnlich, denn fast alle Festivals und Jazzevents planen zwangsläufig nach der Einschaltquote und weiten ihren Jazzbegriff in populäre Gefilde. Die löbliche Ausnahme in Moers reduziert sich zunehmend. Dagegen expandiert das kleine Winterjazz-Fest wie versprochen: Weitere fußläufig erreichbare Spielorte rund um den Stadtgarten wurden erschlossen und integriert. Nach dem bereits im Vorjahr aktivierten „Zimmermann´s“ ist jetzt noch das irische Lokal „The Harp“ mit einbezogen worden. Nun also auf fünf Bühnen an drei unterschiedlichen Orten werden dieses Mal einundzwanzig Bands – etwa 70 Musikerinnen und Musiker – zu hören sein.
Der Stadtgarten bleibt das Zentrum des Festivals, hier agieren die Musiker im flotten Wechsel vom Keller bis ins Restaurant. Bisher war der Zustrom der Gäste beängstigend gewaltig und schwappte jeweils wie eine große Welle über das Gebäude. Musik konnte nur eingepresst in eine Menschentraube konsumiert werden, die Musiker kamen teilweise gar nicht mehr an ihre Einsatzorte. Gemeinhin wird solches Versagen der Institution als triumphaler Erfolg der Veranstaltung gewertet, da darf man geteilter Meinung sein. Toll ist aber, dass sich zu diesem von der in Köln lebenden Saxophonistin Angelika Niescier ins Leben gerufene Fest so viele neugierige Menschen angezogen fühlen. Um das Event auch in der Stadt präsent zu halten, initiiert die Musikerin am Tag des Winterjazz einen Flashmob auf dem Neumarkt – da laufen spontan alarmierte Musiker aus der ganzen Stadt mit ihren Instrumenten zu einer gewaltigen Masse zusammen und werden gehörig Krach machen. Musik am Abend steuern gestandene Stadtgartenmusiker wie Patamaster Norbert Stein oder der Piano-Weltmusiker Hans Lüdemann bei – und natürlich die Erfinderin des Kölner Winterjazz persönlich.
Die Musikerin mit polnischen Wurzeln hat eine schöne Gemeinde aus jungen Talenten und versierten Recken aufgestellt, darunter auch den Raab-Gitarristen Hanno Busch oder den komponierenden Pianisten Jürgen Friedrich. Stilistisch gibt es in dieser heterogenen Gesellschaft keine Grenzen: Alles ist möglich.
„Winterjazz Köln“ | Fr 04.01. 18.30 Uhr | Stadtgarten Köln | www.winterjazzkoeln.com
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