Foto: Benni Klemann

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30. März 2017

THEMA: Zukunft jetzt

Da stehe ich nun also. Ich habe soeben im Chor mit 400 Menschen zweimal voller Inbrunst die erste Strophe der „Ode an die Freude“, auch bekannt als Europahymne, gesungen. Jetzt halte ich Händchen mit zwei Fremden und versuche als Glied einer Menschenkette nicht auf den Rasen zu latschen, der den Essener Hirschlandplatz umfasst. Anlass ist die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“, die seit einiger Zeit immer sonntags in mehr als 50 europäischen Städten Kundgebungen organisiert. Es wird nicht gegen etwas, sondern für ein geeintes, friedliches und solidarisches Europa der offenen Grenzen und Herzen demonstriert. Klingt kitschig, ist aber ein erhebender Moment. Keine Parolen, lediglich Menschen, die an eine Idee glauben und eine Gemeinschaft bilden. Wie nachhaltig und wirksam das ist, wird sich zeigen. Geplant sind die Demos bis zur französischen Präsidentschaftswahl.

Das Superwahljahr beeinflusst auch unser Monatsthema ZUKUNFT JETZT. Wir beschäftigen uns mit der Verfasstheit unserer parlamentarischen Demokratie und sprechen mit RENATE KÜNAST über den effektivsten Umgang mit Populisten. Ansonsten halten wir es mit Hagen Rether, der einmal sagte „Wählen gehen ist wie Zähne putzen. Wenn man es nicht macht, wird’s braun“.

Weitere Texte zum Thema lesen Sie bei unseren Partnermagazinen choices (Schwerpunkt: Basisdemokratische Bewegung; Interview mit Ekaterina Degot, Kuratorin der Akademie der Künste der Welt) & engels (Schwerpunkt: Demokratie im Digitalzeitalter; Interview mit Ex-Piratin Marina Weisband).

Vor der Wahl Montague oder Capulet stehen seit rund 400 Jahren ROMEO UND JULIA. Marius von Mayenburg inszeniert am Schauspielhaus Bochum den Klassiker zwischen Gender-Wirrwarr und Kino-Ästhetik, modernisiert und im Kern doch noch immer Shakespeare. Eine bitterböse und trotzdem humorige Dekonstruktion unserer heilen Wohlstandswelt ist Philipp Löhles neues Stück SCHLARAFFENLAND, das bei den Ruhrfestspielen Deutschlandpremiere feiern wird. Wir treffen den Autor zum Interview. Im Musiktheater im Revier ist die Oper DIE PASSAGIERIN mit einer originellen Partitur und einem exzellenten, sorgfältig dirigierten Orchester zu sehen, nach dem autobiografischen Roman der Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz-Piasecka.

Die Zeitzeugin und Autorin war auch im ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE zu Gast, wo sich ab 1.4. alles um das KUNSTWERK LEBEN dreht. Über die Verbindung von Medizin und Kulturgeschichte, Kunst als Überlebensmethode und Supermans Ursprünge im Lehm sprechen wir mit Kurator Jürgen Kaumkötter. Für die zeitlose Aktualität des Mediums Malerei steht MAKI NA KAMURA mit ihren fetzenartigen, abstrakten Farbflächen, die sich wie Collagen ineinander verzahnen. Die Schau „Steine legen, Äpfel essen“ im Osthaus Museum Hagen wird auch junge Menschen begeistern.

Begeistert sind wir auch von unserem Film des Monats DIE ANDERE SEITE DER HOFFNUNG. Der zweite Teil von Aki Kaurismäkis Flüchtlings- und Hafen-Trilogie ist typisch melancholisch durchtränkt, konzentriert sich aber auf die hoffnungsvollen Nachrichten. Für den Roten Teppich haben wir mit David Oyelowo über seine Rolle in A UNITED KINGDOM, eigene Diskriminierungserfahrungen und den Dreh mit der eigenen Frau gesprochen.

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Maxi Braun

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