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trailer-ruhr 09/18

30. August 2018

September-Thema: Rechtsblind

Eine Lektion meiner verblassten Führerscheinprüfung hallt nach: defensiv fahren. Schwer zu ertragen, wenn auf dem Arbeitsweg der vorausfahrende Mensch Temposchilder anscheinend deutet, als sei die Zahl grob durch zwei zu teilen – also bei Tempo 40 über die 70er-Landstraße, während Kurven und Gegenverkehr ein Überholmanöver verbieten. Durchatmen, Arbeitszeiten locker sehen – passt. Drängeln bringt nichts, weiß ich aus, nunja, Erfahrung. Das liegt nicht allen, stellt die Polizei in NRW mit Blick auf mehr Aggression im Straßenverkehr fest. Den Trend unterstreichen Meldungen über Autofahrer, die, etwa wähnend, um die Vorfahrt betrogen worden zu sein, Busfahrer verprügeln. In neuen Bussen sollen Notfallknöpfe und Sicherheitsglas das Personal schützen. Gut. Aber hoffentlich bleibt es nicht bei der technokratischen Bekämpfung von Symptomen, können und wollen wir doch nicht alle hinter Glas sitzen. Könnte einer autoversessenen Gesellschaft bessere Verkehrserziehung gut tun, um Egoismen zu mildern?

Zum guten Miteinander gehört auch, politisch zu streiten. Im Monatsthema RECHTSBLIND möchten wir wissen, wie das in gesellschaftlich erhitzter Atmosphäre gelingen kann. Die Linken-Politikerin SEVIM DAĞDELEN erklärt im Interview, wie die neue Bewegung #Aufstehen der Zersplitterung der gesellschaftlichen Linken entgegenwirken kann.

Misslingendes Miteinander inszeniert Mariano Pensotti am Beispiel der Stadt DIAMANTE, im Rahmen der Ruhrtriennale im Landschaftspark Duisburg-Nord. Elf Spielorte in drei Kapiteln bieten eine grandiose Erfahrung, so Peter Ortmann. Inmitten des politischen Aufruhrs rund um die Ruhrtriennale geriet deren künstlerischer Gehalt zuweilen aus dem Blick. Mit Intendantin STEFANIE CARP reden wir nun über Bühnen, die Grenzen zwischen Genres und Kontinenten auflösen.

Die Villa Hügel in Essen widmet sich mit JOSEF ALBERS dem deutsch-amerikanischen Hauptvertreter der konstruktiven Malerei. Thomas Hirsch ist begeistert angesichts einer Ausstellung, die Bilder versammelt, die sonst nicht zusammen zu sehen sind. Die Ludwiggalerie Oberhausen feiert 20-jähriges Bestehen. Direktorin CHRISTINE VOGT  spricht im Interview über die kommende Ausstellung „Die Geste“ und über einen Vorläufer der ‚Merkel-Raute‘. Die Bonner Bundeskunsthalle zeigt Vajiko Chachkhianis Installation HEAVY METAL HONEY. Peter Ortmann erlebt mysteriöse Zoo- und Familiendramen und darf entscheiden, wie es ausgehen soll.

Film des Monats ist Alice Rohrwachers GLÜCKLICH WIE LAZZARO. Das Drama über die Freundschaft zwischen dem gutmütigen Lazzaro und dem aufsässigen Tancredi verbindet biblische Motive und Gesellschaftskritik. Die 1998 geborene ANDREA BERNTZEN gibt ihr Leinwanddebüt in „Utøya 22. Juli“, Erik Poppes Spielfilm über die Anschläge auf der norwegischen Insel. Sie spricht mit uns vorab über die Auseinandersetzung mit dem Massaker und die Herausforderung eines ununterbrochenen Filmdrehs.

Dino Kosjak/Chefredaktion

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