Auch am zweiten Tag wurde das Publikum bei Bochum Total vom Regen verschont. Erste Tropfen des Nachmittags waren laut Wetterbericht wohl nur Vorbote für Zukünftiges. Bleibt zu hoffen, dass sich die Wetterfrösche verrechnet haben und sich angekündigte Gewitter noch um ein paar Tage verschieben. Am Freitag hatte man zwar keine Sonne mehr, aber die Temperaturen waren trotzdem angenehm warm. Ideal für einen abwechslungsreichen Tag an Bochum Totals trailer-Wortschatzbühne.
Als Konkurrenzprogramm zur laufenden Partie der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war The Voice Of Porter angetreten. Der Name leitet sich wie folgt her: Christian Schwarz ist Sänger der Alternative-Band Porter. Ist der sympathische Mann aus Dortmund wie an jenem Freitag solo unterwegs, benennt er sich entsprechend um. Seine Musik, stets emotional vorgetragen und zwischen Pop und Grunge-Anleihen pendelnd, konnte das tiefenentspannte Publikum überzeugen. Hinzu kam die sympathische Art des Proagonisten. Wenn die Stimme von Porter sich bereits nach dem ersten Song nach seiner Band sehnte, dann nahm man ihm das vollends ab. Authentizität ist oft nur ein bemühtes Wort. Hier sorgte sie allerdings für Pluspunkte.
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Mit Marko Jonas Jahn folgte der erste klassische Poet des Festivals. Jahn ist keine unbekannte Größe in der Poetry-Slam-Szene. Der Mittdreißiger aus Mönchengladbach war in der Vergangenheit nicht nur auf etlichen Bühnen der Republik zu Hause, er organisierte auch etliche Slams selbst. Mit nichts als einer Handvoll Zettel ausgestattet, feuerte der Slammer seine Wortsalven in Richtung Publikum, welches spätestens jetzt aus seiner frühabendlichen Siesta erwachte. Bei Gedichten über Dixi-Klos und Schildkrötengeburtstage horcht schließlich jeder auf. Und auch ins politische Gewissen wurde den Anwesenden indirekt geredet. In seinem Text über Standpunkte im Leben animierte Jahn zu Eigeninitiative im Alltag und erinnerte gleichzeitig an die oftmals schnell gemachten, aber nie erfüllten Vorsätze im Leben.
Politisch blieb es auch mit Benjamin Eisenberg, u.a. Mitglied des hochgelobten Kabarett-Ensembles „Nachgewürzt“. Der wortgewandte Bottroper hatte es jedoch schwer, das sich nun im Siegestaumel befindende Laufpublikum für sich zu gewinnen. Sein Auftritt fand in gemütlicher Atmosphäre statt, trotz immer lauter werdender Techno-Musik anliegender Stände. Inhaltlich blieb sich der Politkritiker treu. Hier ein paar Worte zur Europawahl, dort ein Appell zur deeskalierenden Politik im Ukraine-Konflikt. Dazu das obligatorische FDP-Bashing und der Aufruf zu mehr Wahlbeteiligung. Die Themen Eisenbergs waren vorhersehbar, die Umsetzung jedoch wie gewohnt bissig.
Als dann die Sonne verschwand und die Kegel der Scheinwerfer als einzige Lichtquelle auf den Bühnen dienten, bat die Rang Gang zum Tanz. Das Bochumer/Berliner Akustik-Quintett, u.a. mit Guntmar Feuerstein von Ape & Feuerstein an der Mandoline, bezeichnet seinen Stil selbst recht undurchsichtig als Mixtur aus Folk, Bluegrass, Blues, New Grass und Americana mit osteuropäischen Einflüssen. Kurz: „Europicana“.
In welche Schublade man die Band auch immer stecken möchte, ihre Musik funktionierte vorzüglich auf der trailer-Wortschatzbühne. Das zahlreiche Publikum hatte sich schnell mit der Rang Gang angefreundet und klatschte, jubelte und sang im Kollektiv. Ein weiterer Beweis dafür, dass auch Musik auf der Bühne der Wortjonglage funktioniert. Der Samstag kann kommen!
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