Regisseur Thilo Voggenreiter lässt „Woyzeck“ nicht in einem gänzlich neuen Licht erstrahlen, sondern präsentiert vielmehr einen guten, alten Bekannten in einem poppigeren Gewand. Den frischen Anstrich erhält „Woyzeck“ am Westfälischen Landestheater vor allem durch das Bühnenbild: Goldene Lamettafäden rahmen das Geschehen. Durch Scheinwerfereinsatz wispern sie mal glitzernd-verheißungsvoll Maries Träume von Reichtum, mal erscheint sie aschfahl – nutzloser, vergangener Glanz. Durch Jogginghosen wird der Soldat zum Proleten. Marie und die Nachbarin in ihren trashigen, gewollt-aber-nicht-gekonnt-Outfits, hätte man auch am Bahnhof treffen können. Die Bezüge zur Moderne bleiben allerdings subtil, eine Milieustudie wird nicht betrieben. Weniger die Sozialkritik, vielmehr Sprachlosigkeit wurde in Castrop-Rauxel betont. Woyzeck (Roni Merza) findet nicht nur keine Worte, die meiste Zeit kann er nicht einmal einen Adressaten finden. Er und Marie (Julia Gutjahr) sprechen nicht nur verzweifelt und einsam zueinander und aneinander vorbei, sondern sie treffen sich auch physisch nicht im Raum. Ein anrührendes Bild zweier Menschen, die dazu verdammt sind, in ihrer existentiellen Verzweiflung stehen bleiben zu müssen. Gestörte Kommunikation präsentieren auch der kauzig weltfremde Doktor (Burghard Braun) und der aristokratische, aalglatte Hauptmann (Guido Thurk): Geschwollene, repräsentative Worte werden an Woyzeck vorbei ins Mikro gesprochen. An ihn direkt gerichtet sind lediglich cholerische, aberwitzige Befehle. Hauptmann und Doktor sind aber auch für einen Spaß zu haben und stolpern clownesk über die Bühne. Diese Slapstickeinlage, obwohl durchaus erheiternd, wirkt jedoch mehr wie ein Fremdkörper. Als Woyzeck dem Wahnsinn verfällt, dröhnen dumpf Elektrobeats, das Lametta funkelt grell und unangenehm. Die Geister der Eifersucht wird er jetzt nicht mehr los: Marie und der Tambourmajor kopulieren in bester Youporn-Manier, Unterweltfiguren masturbieren mit Frauenunterwäsche maskiert. Für einige Zuschauer war dies wohl doch zu gewagt, sie verließen schimpfend den Saal. Warum aber Marie dem Tambourmajor verfällt, ihre emotionalen und sexuellen Bedürfnisse, ihr inneres Ödland bleiben leider in der Andeutung stecken.
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