Es war einmal im wüsten Gedankenuniversum des Science-Fiction- und Fantasy-Autors Frank Herbert („Der Wüstenplanet“, 1965): Auf der Erde oder besser im Orbit drum herum erklärte sich eine KI – damals gab es den Begriff natürlich noch nicht – durch fehlerhafte Programmierung zu Gott und wollte die Geschicke der Menschheit lenken. Das ging gehörig in die Hose. Einen ähnlichen Stoff setzen Regisseur Kwame Osei und die belgische Choreografin Ntela Hendrickx am Oberhausener Theater um. „Utopia“ soll ein Plädoyer für eine kollektive Erinnerungskultur werden, ein Laboratorium, das nicht nur den Umgang mit der eigenen Vergangenheit, sondern auch die damit verbundene individuelle Verantwortung erforschen will. Das heißt auch, mit den Mitteln des Urbanen Tanztheaters den zeitgenössischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu hinterfragen.
In „Utopia“ ist die Erde eine Wüste, über die unaufhörlich Sandstürme fegen. Alle Menschen sind inzwischen friedlich – keine Sorgen, keine Gewalt, kein Hunger –, im Equilibrium (übers.: Gleichgewicht) eben. Zum Schutz dieser schönen neuen Welt sorgt eine KI dafür, dass alle bösen Gedanken und die Erinnerungen an eine böse Vergangenheit – irgendwo müssen die vegetationslosen Regionen ja herkommen – regelmäßig gelöscht und zu Sandstaub verarbeitet werden. Doch wie es in den bekannten Dystopien üblich ist, hat das System natürlich Fehler. Die Intelligenz aus Nullen und Einsen wird wohl von den millionenfachen Erinnerungen geflutet – und der Sand gibt Ereignisse aus der Vergangenheit wieder preis. Die Gedanken werden also wieder frei, frei nach Hoffmann von Fallersleben. Das Stück in Oberhausen will nach dem eigentlichen Menschsein fragen – und danach, ob ein Utopia ohne Psychopharmaka überhaupt möglich ist, insbesondere wenn Gewalt und Gier nach Macht in der DNA der Menschen liegen. Zu erwarten ist also auch, dass aus der sandigen Dystopie „Utopia“ eine Analogie auf die gewalttätige Gegenwart wird, die bislang ohne KI als Machthaber auskommt – aber wie lange noch?
Utopia | 6. (UA), 22.9. | Studio, Theater Oberhausen | 0208 857 81 84
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