Hochgeschwindikeitspunkrock aus Israel: "City Rats" aus Tel Aviv
Foto: Benjamin Knoll

Voller Körpereinsatz

18. Dezember 2012

City Rats und Sunflowers of Death im Djäzz Duisburg - Musik 12/12

Zugegeben: Ein paar mehr Zuschauer als die gut 30 Anwesenden hätten die City Rats verdient. Als die noch recht unbekannten Sunflowers of Death aus Mülheim an jenem Montagabend die Bühne betraten, klaffte ein großes Loch davor. Dabei bekam der Fan härterer Gangart durchaus etwas geboten. Die Sunflowers of Death, sich selbst gern auch passend zur Lokation als "Funkflowers of (D)Jäzz" bezeichnend, standen an diesem Abend für smarte Anzüge, geputzte Schuhe und eine angenehme Prise Selbstironie. „Jäzz Jäzz Jäzz“ hauchte der Schlagzeuger fast schon erotisch vor fast jedem Song in sein Mikrofon, um im nächsten Moment seinen Jazzbesen gegen galoppierende Drums einzutauschen. Denn entgegen dem äußerlichen Auftreten und der ein oder anderen musikalischen Andeutung, prügelte sich der Vierer aus dem Ruhrpott gänzlich jazzfrei durch sein 30-minütiges Set. Stattdessen gab es metallische Gitarren, punkige Drumms, wummernden Bass und bellenden Gesang auf die Ohren. Songtitel wie "Krieg ist geil, aber zu viel Arbeit" oder "Such dir 'nen Job!" reihten sich dabei stets in das satirische Auftreten des Sängers ein, der seine Position nicht selten von der Bühne an die Bar oder auf den Boden verlagerte. Sein smartes Outfit musste sich nach diesem Auftritt wohl erst mal einem Intensivwaschgang unterziehen.

Nutzten den Platz vor der Bühne: "Sunflowers Of Death" Foto: Benjamin Knoll

Der Mustermensch e.V., bekannt für sein Engagement für ein unabhängiges Kulturzentrum und die punkigen Konzerte im Djäzz, hatte an diesem Abend die israelischen City Rats aus Tel-Aviv als Hauptband an den Start geholt. „We are 100 % Anti-Facist-Band“ stellten die vier Jungs zu Beginn des Sets klar. Diese Info hätte es aber nicht wirklich gebraucht: Köpfe schmückende Irokesen und der Slogan "100% Tel Aviv-Punkrock" auf dem Bandbanner ließen durchaus auf die politische Gesinnung der Band schließen. Die City Rats zeigten von Beginn an, dass Punkrock-Bands nicht zwangsläufig über eingeschränkte musikalische Fähigkeiten verfügen. In einem unglaublichen Tempo setzte es Rhythmuswechsel, doppelstimmigen Gesang und Gitarrensoli. Alles und jeden antreibend: Die Drums, die mit unglaublichem Tempo und Körpereinsatz, wie von einer Duracelbatterie angetrieben, bespielt wurden. Nun wurde auch klar, warum sich der Schlagzeuger zu Beginn des Konzerts jeglicher bewegungseinschränkender Kleidung entledigte. Das immer noch recht spärliche Publikum honorierte den intensiven Auftritt der Band stets mit warmem Applaus. In den überschaubaren Pulk vor der Bühne hatte sich auch ein wenig Punk-Prominenz geschlichen. Wolfgang Wendland, Sänger der Kassierer und Teilzeitpolitiker bei der "Linken" und der "APPD", konnte dem stürmischen Auftritt der "City Rats" durchaus etwas abgewinnen.

Freunden von Bands wie den "Casualties" oder den alten Platten von "The Unseen" sei gesagt: In den kommenden Tagen ist die Band noch im Rattenloch Schwerte (19.12.) und dem Punk Im Pott-Festival in Oberhausen (28.12.) zu Gast.

Benjamin Knoll

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