Kombination, Bandabfolge, Publikum – alles scheint an diesem Abend zunächst ein wenig seltsam. Die Indie-Rocker von Supermutant touren wie Singer/Songwriter Patrick Richardt derzeit separat durch die Republik und sogar bis Österreich, supporten sich aber wie in Essen auch bei einigen Gigs gegenseitig. Kann das gut gehen? Es kann.
Supermutant locken eine kleine Horde sehr junger, treu ergebener Fans. Schon beim Auftakt „Diamant“ feiert diese kleine Gruppe die Mönchengladbacher Band frenetisch. Hinter ihnen wippen an einem Glas Rotwein nippend ältere Semester artig zu den Stücken, die Drummer Daniel sauber nach vorne knüppelt. Die Songs vom Album „FRVR“ klingen auch live nach ordentlichem Indie-Rock. Schlagzeug, Brüche und die Stimme von Sänger Yann widersetzen sich aber der einfachen Ettikitierung Pop energisch. In einer kleineren Location würde die Hütte längst brennen, was man der engagierten Kombo für die weiteren Tourstationen in Berlin, Aachen oder Köln wünscht.
Szenenwechsel, Zeitreise. Obwohl Singer/Songwriter Patrick Richardt wenig später dieselbe Bühne betritt, scheinen wir plötzlich zehn Jahre in die Zukunft versetzt. Trotz Band sind seine Kompositionen deutlich leiser als Supermutant, bedienen auch ein völlig anderes Genre. Wer „So, wie nach Kriegen“ hört, lauscht einem wohl durchdachten und reifen Debütalbum, durch das das Motiv von Aufbruch und Abschied wie ein roter Faden leitet.
Richardt ist weit davon entfernt, bloß ein weiterer Junge mit seiner Gitarre zu sein. Ob sein erstaunliches Debüt nur in der Einöde Krefelds gedeihen konnte? Über diese Frage muss Richardt im Anschluss an seinen Auftritt schmunzeln, sie wird ihm oft gestellt. „In Krefeld fühle ich mich wohl. Aber es fühlt sich auch wie Stillstand an. Alle gehen weg und ich werde das auch irgendwann tun.“ Während alte Schulfreunde ihr Studium beenden, kellnert der ehemalige Oh Napoleon-Drummer nebenbei und hat auch schon mal im Kindergarten gejobt. Im Grunde riskiert er, allein auf die Musik zu setzen. „Das Thema des Albums ist wohl auch so was wie eine innere Rebellion“, beschreibt er seine Intention. Die Inhalte seiner Songs ergeben sich durch Diskussionen mit Freunden, aber auch durch tagelanges Grübeln. Das wirkt wie angewandte Philosophie, hinter der man niemals einen 24-Jährigen vermuten würde. Allein die sympathisch unsichere Attitüde verrät sein Alter.
Denn musikalisch ist er souverän, wechselt elegant zwischen Gitarre und Keyboard. Noten lesen kann er nicht, beide Instrumente hat er sich autodidaktisch angeeignet. Er singt von Verlust und Liebeskummer, von enttäuschten Träumen und der Sehnsucht nach einer anderen Welt. Authentisch klingt das und macht nachdenklich, gerade weil die bockige Nörgelei der Adoleszenz fehlt.
Im Ganzen betrachtet macht dieses Konzert in der Zeche Carl dann auch wieder Sinn. Die künftige Generation von Musikbegeisterten kann hier im Zeitraffer beim Aufwachsen beobachtet werden. Der Blick schweift ohne Schnitt vom tanzwütigen Mini-Moshpit zu den Mittdreißigern an den Stehtischen, das eigene Selbst irgendwo dazwischen. So wie wir waren, so wie wir sein werden. Und bei soviel Herzblut und Leidenschaft für die Musik, vor und auf der Bühne, muss man sich zumindest um den musikalischen Fortbestand der Welt ein klein bisschen weniger sorgen.
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