Erstmals auf der trailer-Wortschatzbühne: Der digitale Sebastian23. Via Bildschirm nahm er Stellung zu den Fragen seines Publikums, z.B. warum er immer eine Mütze trage. Zwischen den einzelnen Live-Auftritten seiner Kollegen konnte man so die ganze Serie der exklusiven trailer-Videokolumne miterleben. Die dabei blendende Sonne war der einzige Wehrmutstropfen zur diesjährigen Einweihung der Video-Clip-Leinwand auf der trailer- Wortschatzbühne. Immerhin hatte man sie zuvor ja herbeigesehnt, die Sonne.
Augenzwinkernde Ethikstunde
Der helle, blendende Himmel schien auch Joscha Hendricksen wenig zu stören. Ungeachtet seiner Openerposition legte „Hahn von Opel“ los, bewaffnet mit Klavier, übersteigerter Mimik und schwer zu durchdringenden, oft widersprüchlich wirkenden Wortfetzen. Er riet zu einer gesunden Schizophrenie bei gleichzeitigem Erwachen aus dem menschlichen Todesschlaf, schlug vor, sich mit Projekten ohne Perspektive auseinanderzusetzen und bezeichnet das eigene Künstlerdasein als, gelinde gesagt, nicht unbedingt erstrebenswert. Sind dies nun Weisheiten und Ratschläge für ein besseres Leben, oder haben wir es hier mit einer fast schon ohnmächtig wirkenden, pessimistischen Sicht unserer Spezies zu tun? Wahrscheinlich beides. Gerade als sich die ersten Fragezeichen über den Köpfen der Zuschauer langsam in Ausrufungszeichen zu verwandeln drohten, brach Hendricksen mit der Ernsthaftigkeit und spielt das zutiefst sinnbefreite „Froschlied“ auf seinem Klavier. Denn „warum hochtrabend moralische Reden halten, wenn man auch Blödsinn reden kann?“
Während sich die musikalischen Acts fortan auf den großen Bühnen austobten, machte sich Micha-El Goehre für die Wortschatzbühne bereit. Der Anfang 30-jährige DJ, Autor und Poetryslammer aus Bielefeld sollte mit seinen trashig-humorvollen Geschichten nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine musikalische Lücke bei Bochum Total schließen. Denn schnell wurde dem regen Andrang vor der Bühne klar: Micha ist Metalfan. Er ist Fan einer Schublade, welche 2012 auf keiner der Bühnen mit musikalischem Inhalt gefüllt wird. Was liegt also näher als eine kleine Dokumentation des ganz alltäglichen Metalwahnsinns. Aus einem gefährlich wirkenden, weil angeketteten Tagebuch erfahren wir, dass Metaller nur dann „true“ sind, wenn sich ihr letztes Lächeln auf den 11. September 2001 datieren lässt und sie sich gedanklich, stets von Metwein beduselt, im Mittelalter oder in der World Of Warcraft befinden. Dass sich Freunde der brachialen Musik darüber hinaus auch beim klassischen Balzverhalten eher unglücklich anstellen, zeigte die Schilderung des folgenden Dilemmas: Das Nichtentscheidenkönnen zwischen dem Schenken eines ausgeklügelten Mixtapes oder dem Pinkeln eines Herzens in eine dafür geeignete Materie. Im Alltag gilt: Metaller sind Metaller sind Metaller. Auf musikalischer Ebene würden Manowar oder Kreator aber auf äußerst divergente Darbietungsformen von kindlichen Tierparabeln setzen. Im Anschluss an seinen äußerst gelungenen Auftritt danach gefragt, ob ihm Metalfans auch schon mal einen Gag übel genommen hätten, antwortet Ghoere: „Nein, nie, ich bin doch selber Teil der Szene. Wir können gut über uns selbst lachen“. Ein Blick in die lächelnden Gesichter des langhaarigen, oft schwarz gekleideten Publikums macht Ghoeres These zu einer Tatsache.
Einstudiertes Improkabarett?
Abgerundet wurde das Programm mit Act Nummer drei. Die geplante Lesung aus dem Szeneroman „Requiem für Pacman“ von Klaus Märkert musste leider entfallen. „Geigerzähler“ sprangen ein. Zwei junge Männer, ein Geiger und ein Erzähler, boten zwei Geigensoli, zwei Texte, und ein gemeinsames Musikstück. Gut zwanzig Minuten später fragte man sich, ob das Ruhrgebiet wirklich die Bundesrepublik ermöglichte, welche Bedeutung der Name des Duos wohl in Japan hat und ob man es hier mit reiner Improvisation oder einer gespielten und erprobten Spontanität zu tun hatte. Vielleicht finden sich die Antworten am zweiten Tag der Wortschatzbühne.
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