Die Druckgraphik hat es in unseren Tagen nicht gerade einfach. Oft genug wird sie als handwerkliches Überbleibsel aus Spezialisten-Kreisen vorschnell abgetan; ihre Befähigung zur Edition, also dem wiederholten Abzug – einstmals positives Zeichen der Demokratisierung von Kunst – trennt sie vom einmaligen Original, und schließlich wird kurzerhand ihre Befähigung, essentiell zur heutigen Kunst mit deren medialen Möglichkeiten beizutragen, bestritten. Gegen diese Vorurteile wehrt sich eine Gegenbewegung, die – unter anderem im Kontext der Grafischen Sammlungen großer Museen – einzelne Positionen exponiert, welche im Spektrum der althergebrachten Techniken absolut Zeitgenössisches mitzuteilen haben.
Letzteres gilt nun erst recht für die 1967 in Leipzig geborene und dort lebende Christiane Baumgartner. Ihr primäres Medium ist der Holzschnitt, daneben entstehen abstrakt gestische Handzeichnungen, fotografische Arbeiten und auch Videos. Die Holzschnitte liegen überwiegend im großen Format und in der Regel nur mit einer Druckfarbe, oft in s/w, vor; schon dadurch entfernen sie sich von jedem deiktischen Realismus. Christiane Baumgartner fängt Bewegung ein und demonstriert deren zeitlichen Prozess. Die Sujets sind Hubschrauber und Fahrzeuge, die nun an der Grenze zur Abstraktion festgehalten sind. Oder sie friert Landschaften wie aus einem vorbeifahrenden Fahrzeug heraus ein. Als Ausgangspunkt nimmt Baumgartner eigene Videosequenzen, aus denen sie ein Still auf den Druckstock überträgt; dabei werden die horizontalen Bewegungsstreifen der Filme sichtbar. Die Motive selbst konstituieren sich aus den Verbreiterungen der horizontalen Linien, die hier zugleich so wirken, als seien sie über die Darstellung gelegt. Dynamik trifft auf Statik, Abstraktion auf Gegenständlichkeit – daraus entstehen spannende Bilder, die unsere Welt wie mit anderen Augen in ihrer Vorläufigkeit und Beharrlichkeit abtasten. Schwere Kost, sehenswert.
„Christiane Baumgartner. White Noise“ | bis 8.2.15 | Museum Kunstpalast in Düsseldorf | 0211 892 93 07
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