Die Symphonie des Grauens im Ruhrgebiet geht weiter. Nein, nicht die Wahlen zu den neuen Oberbürgermeistern sind hier gemeint – der Bühnenhorrorexperte Jörg Buttgereit ist wieder da. Mit einer neuen Theateradaption filmischer Geschmacksgrenzgänger pflügt er wieder durch das Dortmunder Publikum ab 18 Jahren. Inspiriert vom 70er-Jahre-Teufelsschocker „Der Exorzist“ (USA, 1973) durchleuchtet Buttgereit in seiner neuesten Uraufführungs-Inszenierung „Besessen“ die schizophrenen Zuckungen menschlicher Angstsynapsen. Hoffen wir, dass das Tor zum Sauerland über genügend Geistliche verfügt, die die verwirrten Geister nach der Vorstellung wieder auf den Boden zurückholen. Denn damals in den USA muss das Chaos in den Kinos selbst irre gewesen sein.
Zu dem Wahnsinn passt auch eine Premiere in Bochum. Hier geht Renegade in Residence am Schauspielhaus bereits in die sechste Spielzeit. Die neueste Produktion choreografiert Samir Akika, der 2007 mit seinem Stück über Jugend- und Subkultur „Extended Teenage Era“ sowohl deutschlandweit als auch international seinen großen Durchbruch hatte. Für diese Erfolgsproduktion arbeitete der Choreograf, Regisseur, Kurator und Produzent bereits mit Künstlern des Renegade-Netzwerkes zusammen. Und auch heute geht es wie in Dortmund um den nackten Wahnsinn, nicht in der Hölle, sondern einer psychiatrischen Anstalt, wo einer partout über das Kuckucksnest fliegen will. Das gleichnamige Filmdrama nach dem Roman von Ken Kesey (USA, 1975) machte Jack Nicholson einst berühmt, veränderte aber auch die Arbeit in psychiatrischen Anstalten gewaltig. Für Renegade choreografiert Akika das Tanztheaterstück nach dem Theaterstück von Dale Wasserman, das sich näher am Roman bewegt.
Kommen wir zum alltäglichen Wahnsinn der Jetztzeit. Wie absurd schien es lange Zeit für einen Europäer mit einem gewöhnlichen Taxi durch Teheran zu gondeln? Und was hätte man da im Laufe der Zeit alles erfahren können? Normale Wahrheiten? Wahre Normalität? Genau diese Fragen sind es, die diese „Taxigeschichten“des seit zwanzig Jahren in Deutschland lebenden Iraners Naser Ghiasi berühmt machten. Zunächst gab es die Antworten nur als Internet-Blog, dann wurden sie mit großem Erfolg in Buchform publiziert, und als Film vom iranischen Regisseur Jafar Panahi erhielten die wahren Geschichten aus Teheran bei den Berliner Filmfestspielen 2015 gerade den Goldenen Bären. Denn ganz so harmlos sind sie nicht, hinter dem auf den ersten Blick intimen und unspektakulären Charakter seiner „Kammerspiele“ aus dem iranischen Alltag offenbaren sich bei näherem Hinsehen weit über das Individuelle und Private hinausgehende gesellschaftliche und politische Dimensionen. Kein Wunder also, dass der iranische Autor und Regisseur Amir Reza Koohestani das Taxi-Projekt in Oberhausen mit einem deutschen Ensemble realisieren kann. Er hatte Ghiasis Taxigeschichten dort vorgeschlagen, bevor sie in Berlin den Goldenen Bären erhielten. Wahnsinn.
Premieren:
„Besessen“ | Fr 23.10. 20 Uhr | Theater Dortmund | 0231 502 72 22
„Einer flog über das Kuckucksnest“ | Fr 6.11. 19.30 Uhr | Kammerspiele Bochum | 0234 33 33 55 55
„Taxigeschichten“ | Fr 30.10. 19.30 Uhr | Theater Oberhausen | 0208 857 81 84
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