„Die Tragödie des Macbeth“
Foto: Birgit Hupfeld

Wandernde Schatten

31. Oktober 2013

„Macbeth“ im Essener Grillo – Theater Ruhr 11/13

Komm auf die Schaukel Lady, wir schaukeln uns in ungeahnte Höhen. Die Welt ist ein Rummelplatz, und Feldherr Macbeth kann ein Stück vom Paradiese sehen und denkt, er zahlt nur nen Groschen dafür. Irgendwie kam mir im Essener Grillo-Theater der olle Hans Albers in den Sinn, während unten die vier Hexen zu Elisabeth Fügemanns expressivem Cello über die karge Bühne fegten und den beiden heimkehrenden Helden ihre düstere Zukunft prophezeiten, die schon (wie immer) wie bittere Schokolade schmeckte.

Wolfgang Engel inszeniert Shakespeares Tragödie ohne großes Tamtam (aber mit Cajons), ohne spritzendes Theater-Blut oder gigantische Schwerter (in memoriam Jürgen Kruse). Würde Klaus Schwarzkopf noch leben, er wäre wohl die coolste Besetzung in diesem Kammerspiel ohne Höhepunkte, an einem Abend, wo selbst das Bühnenbild (Andreas Jander) vor Gemächlichkeit stöhnt und das Licht zäh durch einen mittigen Pfosten große Schatten auf die Rückwand wirft. Doch dies ist nicht Carol Reeds Nachkriegs-Wien, sondern Schottland Anfang des 17. Jahrhundert, insofern bleiben die visuellen Spielchen rätselhaft, wie die Weissagungen der Hexen.

Dass die Schauspieler in Shakespeares Unheildrama nur verlieren können, steht schon im Programmheft (Harold Bloom), in Engels Inszenierung wird ihnen selbst das Scheitern irgendwie verweigert, nur ihre seelische Selbstbefindlichkeit spiegelt das mörderische Geschehen im Dunstkreis König Duncans, der mit seinem Rollator über die Bühne tattert, wohl reif für die Absetzung zu sein scheint. Kein Wunder, dass sein Sohn Malcolm nach Duncans Ermordung in Verruf gerät und fliehen muss. Auch Lady Macbeth (Silvia Weiskopf) kommt über ein wenig psychologisches Grauen nicht hinaus, darf lasziv ihren Gatten verleiten und nackt (na klar) in einer Ecke versuchen, sich ihre Schuld von den Fingern zu waschen, bevor sie hinter der Bühne den Freitod wählt. Als Hexe ist sie deutlich besser.


Dazu gibt es noch ein paar nette Regieideen, viele Längen trotz kurzer Spieldauer, einzig Jens Winterstein kann in seiner besonderen Rolle als vom Ehrgeiz angenagter Macbeth überzeugen, wenn er beispielsweise wie beiläufig gedankenversunken den Hexen bei ihren Interpretationen der Prophezeiungen lauscht. Hängen bleiben wird von diesem Abend nichts.

„Die Tragödie des Macbeth“ I Fr 8.11. 9.30 Uhr I Grillo, Essen I 0201 812 26 00

PETER ORTMANN

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