Junger Mann 1 mit seiner Prognose zu einem Konzert von Abdullah Ibrahim: „Ich glaube, dass der Typ da weiter spielt.“ Junger Mann 2: „Ach komm, ist doch egal.“ Die beiden hatten intuitiv den Konflikt verarbeitet, den der einst als „Dollar Brand“ bekannte Pianist in seinen späten Konzerten bei einem neutralen Publikum auslöste. Mit seinen Klängen entstanden Steppen- und Wüstenlandschaften, ganze Disney-Filme spulten sich vor den geschlossenen Augen ab. Der behäbige Riese inszenierte gern Volksmusikabende des Jazz, mit simplen Themen, bebenden Chören und hübschen Phrasen. Nirgends existierte der Gedanke an Spannung, das Geplätscher aus dem Flügel kannte nur Entspannung, von null ins Nichts. Jetzt ist diese von zahllosen Fans geliebte Legende mit über neunzig Jahren in seiner Wahlheimat Süddeutschland verstorben. Er hat viele Musiker geprägt und beeinflusst.
So den Landsmann Nduduzo Makhathini, mit Jahrgang 1982 die Urenkelgeneration Ibrahims. Auch er verwebt die Jazzgeschichte und ihre Legenden mit dem Erbe Südafrikas und dessen Klangfantasie. Nduduzo liebt den freieren Stil eines McCoy Tyner, er springt perkussiv aus dem harmonischen Korsett, wiegt aber besonders gern mit seiner singenden Ehefrau Omagugu im Duo auch in afrikanischen Traditionals - so im letzten Jahr auf der Gala des Deutschen Jazzpreises, dafür gab es eine Auszeichnung.
Jetzt nimmt sich die WDR Big Band dieses spielfreudigen Pianisten, Sängers und nebenbei Heilers an, kein anderer als Vince Mendoza hat seine Musik arrangiert. Die Mischung Mendoza/WDR Big Band wurde bereits u.a. bei den Grammys ausgezeichnet.
Traditionell kümmert die Big Band sich auch um die eigenen Bestandteile, sprich die herausragenden Musiker des Orchesters und ihre speziellen Neigungen und Qualitäten. Dabei entpuppten sich die Orchestermusiker im Format „Personal Sounds“ oft als große Komponisten und Arrangeure, die instrumentalen Fähigkeiten gelten ja als obligatorisch. In den letzten Jahren begann der Generationenwechsel im Orchester, nach Billy Test an den Tasten rückte jetzt in der Bass-Position der Australier Sam Anning nach. Ein Ire spielt schon seit 2022 als Tenorist im Saxofonsatz der Big Band, auch Ben Fitzpatrick wird in einem intimen Konzert im Funkhaus gewürdigt – auch im Stream an diesem Abend.
WDR Big Band feat. Nduduzo Makhathini | Kölner Philharmonie | 11.7. | WDR Funkhaus | 18.7.
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