„Fiesta“
Foto: Axel J. Scherer

Wie Motten das Licht

25. April 2013

„Fiesta“ in Oberhausen – Theater Ruhr 05/13

Es ist schwierig, so einen ganzen Hemingway-Schinken auf die Bühne zu transportieren. Dennoch kann das übrigbleibende Filetstück ansehnlich und schmackhaft sein. Mit der Oberhausener Lutherkirche haben die Regisseure Tilman Raabke und Christoph Todt zumindest einen ungewöhnlichen Spielort gewählt, der zwar weniger an Pamplona, dafür aber an den Protestantismus im frühen 20. Jahrhundert erinnert. In so eine Kirche ist in Hemingways „Fiesta“ Jake Barnes in Spanien sicher nicht gegangen, um für alle seine Freunde zu beten, die wie Motten das Licht eine Frau umkreisen und sich zumindest die Finger verbrennen werden. Die Inszenierung nimmt das literarische Eisbergmodell des amerikanischen Literaturnobelpreisträgers ernst und spart eine Menge des Romans aus. Eine szenische Lesung ist es nicht gerade, dennoch macht die Kargheit der Schauspieler-Choreografie die Geschichte ein wenig spröde, wo doch die Zuschauer so nah am Geschehen sitzen. Stierkampf-Fiestas sind Orgien der Freude, die eigentlich keine dieser überaus gekonnt gespielten Leidensbitterminen ertragen.

Weiße Leinentücher zirkeln einen rechteckigen Raum in die Oberhausener Kirche. Drei dunkle Tische, ein paar Stühle, fertig ist das Bühnenbild. Hartmut Stanke macht als Hotelbesitzer Juanito Montoya den Erzähler, der die Spielszenen kettet, die von Paris nach Pamplona und Madrid führen und in denen eine Menge menschliche Tragödien dokumentiert werden. Die Schauspieler haben kurze Wege, nur eine Empore lässt die Sichtachse in der Kirche nach oben wandern, ansonsten sind die Zuschauer auch mal teilnehmende Ochsen. Oder vielleicht nur die wackere Kuh für Amateure?

„Wozu soll ich lange reden?“ Lady Brett Ashley, einst Krankenschwester im Lazarett, wo der Journalist Jake Barnes seine Kriegsverletzung auskurierte, die im das Leben ließ, aber die Fortpflanzung unmöglich macht, beendet mit diesem Satz gern ihre Liebesgeschichten. Sie steht im Kern des Dramas um die sogenannte „verlorene Generation“ (Gertrude Stein), sie ist haltlos, unfähig für Bindungen, aber immer dabei, Herzen zu brechen und neue zu erobern. Die Männer in ihrem Umfeld werden an dieser Situation scheitern, auch der besonnene Jake, der ihr merkwürdigerweise immer aus der Patsche hilft.

„Fiesta“ I 17.5. 19.30 Uhr I Theater Oberhausen (Lutherkirche) I 0208 857 81 84

PETER ORTMANN

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