Mit Sägespänen und brüllenden Löwen hat der Zirkus unserer Tage nichts mehr zu tun. In zwölf deutschen Städten wird vom 17. bis 19. November aber Zeit für Zirkus reserviert. Dieses kleinere regionale Festival behauptet sich neben dem großen internationalen Circus Dance Festival und zeigt, dass hier eine neue Gattung darstellender Kunst entstanden ist. Köln allein verfügt schon über eine freie Zirkus-Szene, die allerdings mit dem Problem zu kämpfen hat, dass sie als interdisziplinäre Gattung in keine Förderschublade passt. Altes Denken bestimmt halt immer noch die Mechanismen der Kulturpolitik. Die Szene braucht vor allem Raum, und der wäre mit der Herrichtung der Osthof-Hallen in Kalk vorhanden gewesen. Wenn die Montagstiftung nicht aus Protest über die Zusammenarbeit mit der Stadt aus dem Projekt ausgestiegen wäre.
Dennoch, das Festival findet statt und Köln lässt sich über die sechs Veranstaltungsorte, die von Deutz über Mülheim bis nach Ehrenfeld und Riehl großräumig verteilt sind, gut erkunden. Zwölf Produktionen gibt es zu sehen, darunter die neue Arbeit des renommierten Overhead Project. Ihre Choreographie „Greenroom“ beschreibt das Aufeinandertreffen von Körpern und Materialien wie Holz, Metallen und Stein, denen in der Konfrontation eine eigene Sprache erwächst. Das Publikum ist auf der Bühne hautnah dabei. Vom akrobatischen Tanz geht es zur Objektmanipulation. Fabian Krestel vollzieht in seiner Produktion „Labyrinth“ den Brückenschlag zwischen Bewegung und bildender Kunst, indem er über der Balance von Objekten die Spuren aufzeichnet, die ihre Bewegungen hinterlassen. Eine Performance, die im White Cube der Architekten am Neumarkt stattfindet.
Die „Manifestation eines kraftstrotzenden selbstbewussten Frauenbildes“ präsentiert Fliegwerk in seiner Produktion „Die Da“. Es handelt sich um fünf Artistinnen, die sich in den Zirkuszelten unterhalb der Mülheimer Brücke kennengelernt haben. Das Stück möchte ganz unbescheiden alle Facetten der Stärke, Sinnlichkeit und Verletzlichkeit des Frauseins zeigen. Um den weiblichen Kosmos geht es auch im Solo der Kölner Compagnie bolbol, die inzwischen in Toulouse ansässig ist. Im neuen Stück „Oma“ erzählt sie von einem imaginären Treffen der Großmütter aus dem Iran und aus Ostfriesland.
Zeit für Zirkus | 17. - 19.11. | u.a. Köln, Bochum, Dortmund, Schwerte, Herne u. Witten | www.zeitfuerzirkus.de
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