Blau schimmert gedämpftes Licht in der Kapelle, verschwörerisch wispern leise Stimmen im Hintergrund: „Bringst du mir dein Königreich?“ Dann entzünden Dieta Kosmakova und Claudia Weber – die Messdienerinnen – die Kerzen und stimmen das Kyrie eleison der Fleischlichkeit an: Die Messe beginnt.
Ein Gottesdienst, aber nicht für transzendente Wesen ohne Fleisch, Herz und Blut, sondern für den Körper, die Sinne und die Sinnnlichkeit. Und, nebenbei bemerkt, die Einweihung der neuen Spielstätte des Zeitmaul-Theaters in der St. Vinzenz-Kapelle am Bochumer Nordring. Für „Körperlegenden“ gründete der künstlerische Leiter Witek Danielczok, der das Stück schrieb und auch Regie führte, eigens die Zeitmaul-Kapelle, bestehend aus den beiden Messdienerinnen und zwei weiteren Musikern, Serge Corteyn und Manuel Loos. Und die sind zweifellos die großen Stars der Inszenierung, wie in der ausgedehnten musikalischen Ouvertüre deutlich wird.

„An den Innenwänden meiner Haut sind alle Wunden wie Fresken aufgemalt – komm in mich“ haucht Claudia Weber, im Hintergrund sanfte Klänge – zarte Musik, sinnliche Musik, Kuschelsex-auf-intensiven-Downern-Musik. Direkt danach: eine orgasmische Rocknummer. Zur Kippe danach werden die beiden Sängerinnen wieder ruhiger, mit einem leisen Stück, den Verlierern in der Welt der schönen Körperlichkeiten gewidmet: „Für alle Schenkel, die niemand öffnet, niemand schließt.“ Im Hintergrund thronen die düsteren Gemälde von Krysztof Gruse, in ihrem Schatten trötet traurig das Schifferklavier. Der rituelle Höhepunkt in der Liturgie des Fleisches: Arne Nobel bringt eine Opfergabe zum Altar. Zunächst ist der mit poetischen Worten und erregter Stimme beschworene Körper noch in Tücher gehüllt, aber nur, damit die Nacktheit noch mehr wirkt. Dann trägt Nobel den ruhenden, entblößten Frauenkörper durch die Zuschauerreihen fort.

Zum Abschluss spricht Maria Wolf vor verfremdetem Sternenhimmel-Hintergrund eine letzte Lobpreisung des Körpers, bevor das Licht erlischt. „Körperlegenden“ war kurz und kompakt aber ebenso intensiv – ein starker Einstieg für das Zeitmaul-Theater in seiner neuen Spielstätte. Bleibt zu hoffen, dass die Zeitmaul-Kapelle auch bei den nächsten Produktionen dabei sein wird. Wer die Messe am 19. Dezmeber verpasst hat: am 29. wird sie erneut zelebriert.
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