Mit Choke wird sich an ein sensibles und angesichts des demographischen Wandels bedeutendes Thema herangewagt: Was tun, wenn ein Elternteil nicht mehr alleine kann? Das Stück der kanadischen Autorin Cathleen Rootsaert handelt von den Brüdern Dylan und Greg, die beide nicht der Pubertät entwachsen sind.
Aber während Greg einer geregelten Beschäftigung nachgeht, auch wenn es „nur“ ein Job im Supermarkt ist, versumpft Dylan vollends im Peter-Pan-Syndrom, wohnt kiffend und zockend immer noch bei Mama. Diese drückt da liebevoll beide Augen ganz fest zu. Warum diese Kindmänner sich weigern, erwachsen zu werden, bleibt im Unklaren. Als die Mutter einen Schlaganfall erleidet, wandeln sich die Rollen. Dylan, geplagt von Schuldgefühlen, weil er seine Mutter so spät gefunden hat, zieht das Supermario T-Shirt aus und das verantwortungsbewusste Karohemd an. Allerdings flüchtet er in eine Traumwelt, die seine Internetfreundin Mae-Li bewohnt, die immer wieder in Alltagsfluchtszenen auftaucht.
Durch die E-Mail-Korrespondenz erfährt man von seinem Innenleben und vom früh verstorbenen Vater, was eine Psychologisierung aufmacht, die so nicht aufgeht. Greg hingegen reagiert schroff und zynisch auf seine Überforderung. Seine Egozentrik wird fast schon ins Absurde gesteigert, als er das Geld seiner Mutter, vorgesehen für einen Platz im betreuten Wohnen, dazu benutzt eine Kneipe zu kaufen. Weshalb dieser verlorene Sohn so missraten sein soll? Man weiß es nicht. Braucht man auch nicht. Zum Schluss löst sich alles wie von Zauberhand in absolutes Wohlgefallen auf.
Zwar gelingt der Inszenierung (Elina Finkel) mit der Darstellung des geistigen Niemandslandes der Mutter als Walzer mit einem zum Leben erwachten Plüschaffen ein poetischer Moment. Insgesamt wirkt der Abend allerdings hölzern und schablonenhaft. Die eingestreute Komik kann die knapp zwei Stunden nicht auflockern, sondern erinnert unangenehm an Vorabendserien.
Trotz der Partnerschaft des Essener Schauspiels mit der städtischen Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen, die mit diesem Stück begann, gelingt der Versuch, Kunst und soziale Wirklichkeit glaubhaft miteinander zu verbinden, leider nicht.
„Choke” I 3.3., 19 Uhr I Casa Essen
0201 812 22 00
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