Alina & Jeff Bliumis, A Painting For A Family Dinner, © Alina Bliumis , Jeff Bliumis
Foto: Museum Ostwall / Roland Baege

In der Kunstküche

09. Juni 2025

„Am Tisch“ und Medienkunst im Dortmunder U – Ruhrkunst 06/25

Es ist angerichtet! Das Museum Ostwall lädt auf Ebene 6 zu einer „Mahlzeit“ im Doppelpack: im linken Ausstellungsbereich ein Forschungsprojekt zur Aufbereitung von historischer Medienkunst im Museum, am Beispiel einer Installation von Studio Azzurro, 2000. Und rechts ein raumgreifendes 7-Gänge-Kunstmenü: Sieben junge künstlerische Positionen mit Arbeiten rund ums Essen und Trinken, einige eigens vor Ort konzipiert. Hier wie dort geht es um Gemeinschaft, Ausgrenzung und kulturelle Vielfalt.

Duft liegt in der Luft. Ein schmaler safrangelber Gang in die Ausstellung riecht nach Butter und Kardamom. Narges Mohammadi hat gemeinsam mit fluchterfahrenen Dortmunderinnen 700 kg Halva – eine Süßspeise, die traditionell auch auf Trauerfeiern gereicht wird – für die Wandverkleidung zubereitet. Doch Naschen ist untersagt, Kulinarisches gibt’s in der Ausstellung überhaupt wenig. Ein Tässchen Gerstentee vielleicht, wer‘s mag, in der Raumecke, die Iden Sungyoung Kim mit Sitzkissen, Kopfhörern und Monitoren für ihr Projekt zur koreanischen Teezeremonie ausstaffiert hat. Manchmal wird „Hopfen und Malz“ am Neontresen des Kölner Teams Donicke/Specks kredenzt, das ihre Skulptur an drei Aktionstagen beleben will. Ob aber im grell ausgeleuchteten Ausstellungsraum an diesem sterilen weißen Objekt Kneipengemütlichkeit aufkommen kann, sei dahingestellt. Zumal: Direkt nebenan löst Mona Hatoums schwarzer Stahl-Paravent in Form einer riesigen Küchenreibe Beklemmung aus, weil er Fenstergitter der islamischen Architektur zur Ausgrenzung von Frauen aufgreift, wie der Wandtext verrät.

Auch Zhanna Khadyrovas Stein-Brote bedürfen der Begleitinformation, um ihren brisanten politischen Nährwert voll zu entfalten. Alina und Jeff Bliumis servieren nur Fotos – von Familien, bei denen sie zum Dinner eingeladen waren. Und das Kochevent der Klasse Deball der Kunstakademie Münster, die mit Holzeinbauten, Kochgeschirr und Rezepten, Tüchern, Kräutern und Gewürzen eine wortwörtlich dufte raumgreifende Gemeinschaftsarbeit präsentieren, wird auf den U-Vorplatz ausgelagert. Dennoch bietet die Ausstellung ästhetischen Genuss und Mehrwert durch Einblicke in andere Kulturen. Und last but not least in Restaurierungsarbeit zu Medienkunst, die dank rasanter technischer Entwicklung fast so rasch verdirbt wie lecker Essen.

Am Tisch. Essen und Trinken in der zeitgenössischen Kunst | bis 20.7. | Museum Ostwall im Dortmunder U, Ebene 6 | 0231 502 47 23

Claudia Heinrich

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