Kampf um Symbole
Foto: Anna Kox

Antifaschismus für alle

31. Juli 2025

Teil 1: Lokale Initiativen – Der Bochumer Antifa-Treff

Bedrohlicher Auftritt und Sachbeschädigungen: Der Ruf der Antifa könnte besser sein. In bürgerlichen Kreisen sieht man sie als Randalierer:innen, gar als Terrorgruppe. Die Sympathien halten sich in Grenzen, selbst da, wo man besorgt auf das Erstarken rechtsradikaler Kräfte sieht.

Dabei ist die Antifa eine Bewegung, die in der Vergangenheit eher systemstabilisierend als umstürzlerisch wirkte. In den „Baseballschlägerjahren“ der 1990er übernahmen Antifagruppen bundesweit Aufgaben, die eigentlich in den Verantwortungsbereich von Polizeibehörden gehört hätten: Sie recherchierten, enttarnten Neonazigruppen, archivierten Beweismittel, stellten sich den Rechtsradikalen in den Weg. Dass diese Seiten der Antifa in der öffentlichen Debatte seltener besprochen werden, verwundert allerdings nicht. Erst im Juni präsentierte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes Schautafeln, auf denen die Darstellungen zu Rechts- und Linksextremismus unterschiedlich skaliert waren – und täuschte so darüber hinweg, dass die Zahlen zu letzterem deutlich niedriger ausfielen.

Gesicht zeigen

Beim Bochumer Antifa-Treff (BAT) lässt man sich davon nicht beeindrucken. Seit über fünf Jahren organisieren vor allem junge Antifaschist:innen einen offenen Raum für alle, die sich aktiv gegen den Rechtsruck einbringen wollen. Die Methoden sind vielfältig: Demos, Infovorträge oder Spendensammelaktionen, wirksame Öffentlichkeitsarbeit wird diskutiert und Wissen über örtliche rechtsradikale Strukturen ausgetauscht. Die Aktivist:innen grenzen sich ab von traditionellen Antifa-Kleingruppen, die sich nur in Ausnahmen öffentlich zu ihrer Arbeit bekennen. Sie stehen bei öffentlichen Veranstaltungen mit ihrem Gesicht für die Initiative.

Das Bedürfnis nach Austausch mit Gleichgesinnten führte auch A. vor knapp zwei Jahren zum BAT; A. organisiert Treffen mit, möchte aber namentlich nicht genannt werden. „Ich habe Druck gespürt, irgendetwas gegen die aktuelle Lage zu unternehmen, aber ich war auch auf der Suche nach Gemeinschaft. Der BAT war das nächstgelegene offene Angebot mit einem niedrigschwelligen Einstieg.“ Auf die Möglichkeit, schnell mitmachen zu können, legen die Aktivist:innen Wert. Bei den monatlichen Plena werden Themen gesammelt und kleinere Arbeitsgruppen gebildet. Das Gruppenmodell soll den Einstieg erleichtern. Neben den Plena finden regelmäßige Socializings statt, informelle Abende, um auch jenseits der aktivistischen Arbeit einander kennenlernen zu können.

Pragmatische Gründe

Auch A. berichtet von Anfeindungen, wenn A. sich zur Antifa bekennt. „Das gesellt sich einfach zu Sexismus und Queerfeindlichkeit. Ich begegne den Berührungsängsten, indem ich versuche, den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen meinem Gegenüber und mir zu finden. Und ich versuche immer, über meine eigenen Erfahrungen zu sprechen und daraus meine Positionen zu erklären.“

Dass diese Positionen staatskritisch ausfallen, mag kaum überraschen, dennoch befürwortet A. ein AfD-Verbotsverfahren, aus ganz pragmatische Gründen: „Klar könnten die das populistisch nutzen – aber das machen sie eh mit allem. Ich spreche mich für ein Verbot aus, weil ich nicht will, dass sie Parteienfördermittel bekommen, die teilweise in noch radikaleren Strukturen landen. Außerdem hoffe ich, dass so ein Verfahren manche Menschen auch nochmal zum Nachdenken darüber bringen würde, wo sie bei der nächsten Wahl ihr Kreuzchen setzen.“

Anna Kox

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