Identität geistert als Stichwort spätestens seit dem Rücktritt von Nationalspieler Mesut Özil durch die Medien. Als Verunsicherung, die Menschen prägt, selbst wenn sie in diesem Land aufgewachsen sind. Das schwang nun öffentlich im Falle des Fußballspielers mit – inklusive Rassismusvorwurf. Und erfuhr ebenso öffentlichen Gegenwind, besonders an den Stammtischen.
In Italien lebt bereits die dritte Generation von MigrantInnen aus Eritrea, die vor Jahrzehnten ihr Glück in Europa suchten. Regisseurin Ariam Tekle porträtierte ProtagonistInnen der zweiten Generation, über ihre Kindheit, rassistische Erfahrungen und das Lebensumfeld, das sie sich in Italien eingerichtet haben. Entstanden ist der Dokumentarfilm „Appuntamento ai Marinai“, den Tekle am Mittwoch im Rahmen des Kulturfestivals „Odyssee“ vorstellte.
Da ist Eazy, der sich an die gemeinsame Kindheit und Jugend auf dem Basketballplatz erinnert. Da ist der Plattenliebhaber Matteo, der unter anderem erzählt, wie die Polizei ihn und seine Freunde während der Autofahrt zum Spiel anhielt. Oder da ist Aster, die den Kampf ihrer Eltern, MigrantInnen der ersten Stunde, betont. Rassismus gehört für sie alle zum Alltag.
Doch Tekle, die selbst in Italien aufgewachsen ist und Wurzeln in Eritrea hat, ging es gar nicht ausschließlich darum. Kein Streifzug durch den Alltagsrassismus, sondern individuelle Porträts dieser Menschen: „Das Interessante war für mich etwas Grundsätzliches, ich wollte zuhören“, erzählt sie im Begegnungszentrum dezentrale. „Das sind keine Opfer, alle haben ihre individuelle Geschichte.“ Alles begann mit ihrer Bachelor-Arbeit. Für diese führte die Absolventin der Studienfächer Internationale Beziehungen, Ethnologie und Soziologie etliche Interviews.
„Die Antworten haben mich stutzig gemacht“, gesteht sie. Verunsicherungen und Widersprüche artikulierten die Interviewten auch später vor der Kamera. Genau das wollte Tekle am Ende dem Publikum präsentieren: „Für mich war es wichtig, mich auf die zweite Generation zu konzentrieren und ihre Geschichten zu Wort kommen zu lassen.“
Und diese zweite Generation unterscheidet sich bereits maßgeblich von der ersten. Denn ihre Eltern waren gerade erst in eine neue Gesellschaft eingewandert, oft arbeiteten und übernachteten sie noch bei ihren italienischen ArbeitgeberInnen. „Bei denen, die in Italien geboren wurden, war die Situation eine ganz andere“, erklärt die Regisseurin. „Sie waren Teil der italienischen Gesellschaft und sind zu ihren Eltern nach Hause gegangen.“ Abstreifen konnten oder durften diese Kinder das bis heute nicht. In der Schule oder anderen Einrichtungen werden sie nicht selten dazu gedrängt, sich zu entscheiden: italienisch oder eritreisch? Mit ihrem Film versucht Tekle, die individuellen Geschichten gegen diesen Identitätszwang zu setzen: „Ich möchte das Thema näher bringen, damit es nicht einfach mit Nationalität gleichgesetzt wird.“ So erzählen ihre Porträts vom individuellen Ringen um die Identität.
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