„Frei ist, wer in Ketten tanzen kann“, schrieb Nietzsche. In Anlehnung an dieses Zitat tanzt auch der Protagonist in Katrin Gebbes beunruhigendem Drama „Tore tanzt“. In Cannes wirbelte der einzig deutsche Filmbeitrag eine Menge Staub auf. Aus einem religionsdiskursiven Film entwickelt sich ein Horror über modernen Sadismus und Sklaverei, der nicht allen gefallen kann, der ob seines schwierigen Sujets die Geister scheidet. Doch der kompromisslose Film kann mit dem intelligent gewählten Titel für den Berndt-Media-Preis, den Preis für den besten Filmtitel überzeugen. Als Regisseurin darf Katrin Gebbe in Lünen ebenfalls eine lobende Erwähnung in der Kategorie PERLE – Preis für Frauen in der Filmbranche einheimsen. Dieser Preis ging in diesem Jahr an das kaum minder originell betitelte Regiedebut „Finsterworld“ von Frauke Finsterwalder. Wenn Loriot damals deutsche Befindlichkeiten im Detail beobachtete und sie treffend spitz doch unaufgeregt zugleich wiedergab, so verpasst Frauke Finsterwalder ihren Beobachtungen ein absurdes Gewand, jedoch nicht ohne Treffsicherheit.
Zwei junge Frauen, die mit ihrem jeweiligen Kinodebut herausstechen aus der Masse, ohne ihren Film dabei auf seine Andersartigkeit zu reduzieren. Wer jetzt noch unkt, nach „Papas Kino“ sei auch der „Junge deutsche Film“ und was nach ihm kam dem langsamen Tod anheim gefallen, dessen Worte wurden auf dem diesjährigen Kinofest Lünen, dem Festival für deutsche Filme, Lügen gestraft.Mittlerweile darf man sogar sagen, dass sich auf dem Kinofest Lünen eine feste Größe etabliert hat: Axel Ranisch, der 2011 mit seiner No-Budget-Produktion „Dicke Mädchen“ überraschte und der nun zusammen mit der sympathischen Protagonisten dieses Überraschungserfolgs das Logo des Kinofestes ziert. Dieses Jahr wurde sein Kinderfilm „Reuber“ von den jungen Besuchern zum Gewinner des Preises „Rakete“ gekürt. Ranischs Produktionen sind der Beweis, das es für einen guten Film nicht unbedingt eine hohe Summe sondern vielmehr einer guter und ambitionierter Idee. Das sah das Publikum in Lünen genauso, das als „Verbraucher“ jedes Jahr verantwortlich ist für die hoch dotierten Filmpreise. In diesem Jahr gingen diese Wertschätzungen an den Kurzfilm „Mit Du“ von Aleksandar Javanovich, der mit seinem mit musikalischen Einspielern versetzten Schnelldurchlauf einer Beziehung vom Aufgang zum Untergang nicht vor einem realistischen, doch gar nicht so schmerzhaften Unhappy End zurückschreckt, an „Beige“ von Sylvie Hohlbaum und an „Miles & War“ von Anne Thoma, die als glückliche Gewinnerin den Hauptpreis Lüdia in Empfang nehmen durfte. In ihrem Dokumentarfilm folgt Thon Friedensvermittlern in Krisengebieten, für die kleine Schritte einen großen Sprung bedeuten.
Neben den oben erwähnten Jurypreisträgern „Tore tanzt“ und „Finsterworld“ wurden weiteren Kategorien folgende Filme ausgezeichnet: Der Filmmusik-Preis ging in diesem Jahr an den Thriller „Die Frau hinter der Wand“ von Grzegorz Muskala, in dem Musik und Bild eine beklemmende Einheit bilden. „Der Kapitän und sein Pirat“ wurde für sein Drehbuch ausgezeichnet, Kaurusmäkis „Mama Africa – Miriam Makeba“ erhielt den Preis RuhrPott und die beiden Kinderjurys entschieden sich für die wahren Dramen „Die schwarzen Brüder“ und „Kaptn Oskar“, in denen die Protagonisten sich entscheiden müssen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Wird die Filmauswahl für das Kinofest Lünen Mitte November nächsten Jahres vergleichsweise facettenreich, darf man sich schon jetzt auf ein Überraschungen versprechendes Festival für deutsche Filme 2014 freuen.
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