Gebetbuch des Dortmunder Humanisten Caspar Schwartz, Brügge und Dortmund, 16. Jh., © Ruhr Museum, Essen
Foto: Rainer Rothenberg

Aus der Sammlung

30. Januar 2014

Die Vormoderne im Ruhr Museum Essen – RuhrKunst 02/14

Manchmal gehören die kleinen, beiläufigen Ausstellungen zu den besonders Sehenswerten. Nachdem das Ruhr Museum in seiner Galerie auf der 21 Meter Ebene zuletzt Ausschnitte aus seiner fotografischen Sammlung gezeigt und ohnehin die eigenen Objekte immer wieder in die Wechselausstellungen integriert hat, widmet es sich nun ganz seinen unterschiedlichen, im Laufe der Zeit zusammengetragenen Objekten und Bildern aus den Bereichen der Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, nicht nur des Ruhrgebietes.

Auf der eher beengten, passabel gegliederten Ausstellungsfläche der Galerie kann nur ein kleiner Einblick dessen geliefert werden, was das Ruhr Museum – das etwas Anderes als ein „klassisches“ Kunstmuseum ist – besitzt. Die ausgewählten Exponate stammen aus der vorindustriellen Zeit, sie umfassen das 5. bis 18. Jahrhundert. Gegliedert sind sie jetzt in zwölf Kapitel. Vorgestellt werden Meister- und Spitzenwerke aus den verschiedenen Bereichen zwischen freier und angewandter Kunst, alltäglichem und feierlichem Gebrauch, Pracht, Ritual, Gemeinwesen und Militär. Deutlich wird, wie ausgeprägt das gesellschaftliche Leben in früheren Jahrhunderten war und wie sehr die Frömmigkeit auf alle Bereiche des Lebens, auch den Haushalt, eingewirkt hat.

Oder wie sehr das Einnehmen von Mahlzeiten durch kostbares Geschirr als besonderer, würdevoller Vorgang verstanden wurde. Anhand von Trinkgefäßen wird vermittelt, dass es schon vor unserem heutigen Design einen Gestaltungswillen zwischen Funktionalität und Ästhetik gab. Ausgestellt sind aber auch ein Taufstein aus dem frühen 17. Jahrhundert und eine Ritterrüstung. Neben den Alltagsdingen und Einrichtungsgegenständen werden im Ruhr Museum wunderbare Kunstwerke gezeigt, wie etwa das „Porträt einer Frau mit Buch und Totenschädel“ aus dem 16. Jahrhundert und eine „Anna Selbdritt“ aus dem 15. Jahrhundert, der das Christuskind abhanden gekommen ist. Eine wichtige Ausstellung also, für die man sich Zeit nehmen sollte. Sie liefert eine Sicht auf das Ruhrgebiet vor unserer heutigen Vorstellung dieser Region.

„Ausgewählt. Vormoderne im Ruhr Museum“ | bis 27. April | im Ruhr Museum auf Zollverein in Essen | www.ruhrmuseum.de

THOMAS HIRSCH

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