Bewegte Körper

25. Juni 2015

Volker Stelzmann in Hagen – RuhrKunst 07/15

Der diesjährige Träger des (wiederbelebten) Karl Ernst Osthaus-Preises ist Volker Stelzmann. Dazu – und idealerweise vorab zum 75. Geburtstag – zeigt das Osthaus Museum einen Überblick über sein malerisches und grafisches Schaffen seit den 70er-Jahren. Volker Stelzmann gehört zu den Künstlern, die in der Kunstszene hoch angesehen sind, deren Schaffen aber lediglich am Rande wahrgenommen wird. Man weiß, was er macht, kennt das Unverwechselbare seines Stils, und doch fehlte bislang der große Überblick.

1986 ist Stelzmann, der als Professor für Malerei in Leipzig unterrichtet hatte, nach einer Ausstellungsreise in Westdeutschland geblieben. Da er in der DDR weder Repressionen erhalten hatte noch selbst als Widerständler hervorgetreten war, hatten einige Künstler der Bundesrepublik ihn kurzzeitig kritisiert. Dass sich Stelzmann nicht instrumentalisieren ließ, hat er aber mit seinen Ausstellungen in ganz Deutschland belegt. Zugleich wurde er als Professor an die Kunstakademie in Westberlin berufen. Stelzmanns Sache ist die Sprache der Kunst, vorgetragen in altmeisterlicher Malerei. Er malt Menschen, lebensgroß in fleischlicher Direktheit. In der Tradition von Léger und Max Beckmann drängt er Leiber auf engem, oft dunklem Raum zusammen. Immer wieder malt er Zirkus- und Varieté-Artisten. Die Figuren stehen, lehnen, kippen in verschiedenen Haltungen neben- und hintereinander, als Einzelne in der Masse. Dabei hat Stelzmann den Menschen als solchen im Blick, etwa, in neuen Bildern, den Obdachlosen, der kaum aus seinem Zelt hervorlugt. Stelzmannn schaut genau hin, und er verschlüsselt seine Themen, schafft mithin Analogien und Gleichnisse. Dazu greift er auf neutestamentarische Szenen zurück, mit der Passionsgeschichte im Zentrum. Ein besonders spannendes Kapitel sind die Zeichnungen der Selbstporträts, die in Hagen den Zeitraum 1977-2014 umfassen. Gerade weil sich Stelzmann über Jahrzehnte treu bleibt, ist sein Werk ein eindrucksvolles Erlebnis. Hier, im Osthaus Museum in Hagen, kommt es besonders zur Geltung.

„Volker Stelzmann – Panoptikum“ | bis 30.8. | Osthaus Museum Hagen | 02331 207 31 38

THOMAS HIRSCH

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