Kundgebung zur ersten Sitzung des neu gewählten Landtags in NRW am 28. Juni 2022

Irrweg deutscher Migrationspolitik

14. September 2023

„Blackbox Abschiebung“ in Düsseldorf – Spezial 09/23

Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes steht es schwarz auf weiß: „Vor Reisen nach Afghanistan wird gewarnt. Deutsche Staatsangehörige werden aufgefordert, Afghanistan zu verlassen.“ (Stand 6. September). Die Sicherheitslage habe sich drastisch verschlechtert. Was Menschen im krisenzerrütteten Land am Hindukusch erwartet: chaotische Zustände, Terrorgefahr und eine Hungersnot. Dagegen forderte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai jüngst, weitere Länder als sogenannte sichere Herkunftsstaaten einzustufen. „Darüber hinaus müssen wir viel besser werden bei den Rückführungen und konsequent abschieben, auch in Länder wie Afghanistan. Dahin schieben wir bisher niemanden ab“, sagte er den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.

Allein im Jahr 2022 wurden nach Angaben der Bundesregierung knapp 13.000 ausreisepflichtige Personen aus Deutschland abgeschoben – oft mit verheerenden Folgen für die Betroffenen. Doch im gesellschaftlichen Alltag bekommt kaum jemand mit, wie diese „Rückführungen“ ablaufen. Daher wählte der Journalist Miltiadis Oulios den Begriff der Blackbox, als er bereits im Jahr 2013 in seinem Suhrkamp-Werk die Abschiebepraxis der Bundesrepublik analysierte – und das Buch 2015/16 anlässlich der „Flüchtlingskrise“ überarbeitet neuauflegte. Auf über 500 Seiten widmet sich der 1973 geborene Autor – der am 25. September im Zakk Düsseldorf zu einer Lesung mit anschließendem Gespräch zu Gast ist – Geschichte, Theorie und Praxis der deutschen Migrationspolitik.

Denn während sich Regierungschefs in der Vergangenheit zum Teil human inszenierten und eine Willkommensrhetorik anstimmten, gehören Ausweisungen und Abschiebungen zur Praxis der Migrationspolitik. Um die Auswirkungen wiederzugeben, sprach Oulios für seine Recherche unter anderem auch mit Betroffenen von Abschiebungen – darunter z.B. türkische Familienväter oder Sinti-und Roma-Kinder. Es sind Geschichten von Menschen, die lieber in Deutschland geblieben wären – dort, wo einige bereits jahrelang lebten und zum Teil aufwuchsen. In seinem Buch sowie in seinem Vortrag plädiert der Experte für Bewegungsfreiheit und Bleiberecht. Seine These: Durch eine restriktive bis brutale Abschiebepolitik ließen sich die globalen Migrationsbewegungen nicht aufhalten. Viele zwingen Not und Verfolgung zur Flucht wie z.B. in Afghanistan.

Blackbox Abschiebung | Mo 25.9., 19 Uhr | Zakk, Düsseldorf | www.zakk.de

Benjamin Trilling

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