Marc Chagall, Henri Matisse, Joan Miró: Der Titel zur Ausstellung im Museum Folkwang greift drei große Namen heraus, die mit druckgraphischen Editionen, Künstlerplakaten und einzelnen Gemälden vorgestellt werden. Zu den weiteren Künstler:innen gehören Braque, Cézanne, Max Ernst, Léger, Picasso bis hin zu den später geborenen David Lynch und Olympe Racana-Weiler mit Werken in druckgraphischen Techniken. „Made in Paris“ – der Untertitel – ist Gütesiegel und Ortsangabe: Vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert war Paris die Welthauptstadt der Kunst, eine Metropole der Avantgarden, dazu ein pulsierender kultureller Schmelztiegel, zu dem die eingewanderten Kulturschaffenden besonders aus Osteuropa und Deutschland beitrugen. Und eines beflügelte das andere: Paris ist das Mekka der Druckgraphik, der Mappenwerke und Künstlerbücher und illustrierter Ausgaben von Texten der Weltliteratur. Hier haben sich Galerien, spezialisierte Werkstätten und Verlage angesiedelt, die in der Folge berühmt werden sollten und mit den Künstlern ausgiebig zusammenarbeiteten.

Die Graphische Sammlung des Museum Folkwang hat dazu nun ihr Depot durchgeschaut, die einzelnen Blätter gerahmt und als Sequenz oder Block gehängt, die Bucheditionen in Wandvitrinen aufgeblättert und einen anregenden Parcours mit Durchbrüchen zu den nächsten Sälen arrangiert. So sind die zwanzig Schablonendrucke nach Scherenschnitt-Collagen der „Jazz“-Serie von Matisse ausgestellt oder „Daphnis und Chloé“ (ein Thema, das sich auch Aristide Maillol vorgenommen hat) und die Bibel von Marc Chagall. Picasso ist mit seinen Blättern zum Stierkampf vertreten, und alle diese Werke sind sowieso typisch für das Schaffen dieser Künstler in der jeweiligen Zeit. Die Gemälde, die in Nachbarschaft dazu hängen, verdeutlichen mit den gleichen oder ähnlichen Motiven das Verhältnis der Malerei zu den Lithographien, Holzschnitten, Radierungen und ihren Mischformen und Varianten. „Flasche, Gitarre und Pfeife“ (1912/13) von Picasso hängt direkt neben seinen kubistischen Radierungen in Schwarz-Weiß. Und Miró zeigt ein Ölgemälde, auf dem sich aus geschwungenen Linien und farbigen Binnenflächen eine Figur zwischen Mensch und Tier entwickelt – wie ebenso in seinen Farblithographien. Ein Vertreter des Tachismus der Nachkriegszeit ist Alfred Manessier. In seinen Bildern liegt eine schwere Struktur aus abstrakten Balken über und in einem glühenden Farbgrund, und zwar in der Malerei ebenso wie in seiner 7-teiligen Mappe mit Farblithographien.
Immer wieder klingt an, dass sich die Künstler mit verwandten Fragen und technischen Lösungen beschäftigt haben, ja, im Austausch miteinander standen und so noch zum fruchtbaren kulturellen Klima beitrugen. Ideen tauchen wieder auf und bestimmte Motive liegen sowie vor der Haustür, der Eiffelturm etwa bei Marc Chagall und viel später bei Jim Dine. Man könnte aber auch im Blick behalten, wie sich die Figurendarstellung von Redon über Dubuffet bis Roland Topor verändert. Dem Museum Folkwang ist eine Ausstellung gelungen, die ebenso verständlich ist wie sie speziell betrachtet werden kann und schließlich einfach Spaß macht. Kompliment!
Chagall, Matisse, Miró – Made in Paris | bis 7.1. | Museum Folkwang in Essen | 0201 884 54 44
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