Dejan Sari, Place to Be, 2022, Installation im Lehmbruck Museum Duisburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: Künstler

Farbe in Bewegung

29. August 2026

Dejan Sarić im Lehmbruck Museum in Duisburg – kunst & gut 09/26

In Duisburg ist ein Überblick zur Kunst von Dejan Sarić zu sehen. Immerhin gab es in jüngster Zeit wiederholt die Möglichkeit, einzelnen seiner Werke zu begegnen, am Niederrhein ebenso wie in Düsseldorf. Auf der dortigen Großen Kunstausstellung NRW sorgte vor zwei Jahren eine seiner Rauminstallationen für Aufsehen. Sie bestand aus einem funktionalen Holzkubus mit Öffnungen für den Eingang und den Ausgang. Drinnen war alles anders. Im Halbdunkel sah sich der Betrachter umgeben von transparenten, von oben herabhängenden Streifen, die ihn berührten und sich dadurch leicht bewegten. Indem sie partiell mit horizontalen und vertikalen Farbbahnen versehen waren und die Innenwand selbst rundum verspiegelt war, setzte ein aufregendes Spiel von Ruhe und Bewegung ein. Farbe war allgegenwärtig und Teil der räumlichen Wahrnehmung. Inmitten dieses Farbkosmos wurde der Betrachter zum handelnden Akteur.

In seiner aktuellen Ausstellung im Lehmbruck Museum zeigt Dejan Sarić erneut den Kubus, nun aber mit einem weiteren, gleich großen Kubus. In diesem verkehren sich die Verhältnisse. Nun bestehen die Lamellen aus Spiegeln, und die Innenwände sind mit hochvergrößerten fotografischen Details aus einem seiner rasterförmigen Gemälde bezogen. Der Betrachter spiegelt sich nun in Ausschnitten und sieht zugleich die Farbbahnen der Malerei. Spiegel spiegelt sich im Spiegel. Malerei ist auch jetzt ein zentrales Thema, mitsamt der Erkenntnis, dass der Betrachter das Bild erzeugt. Zugleich ist es richtig, dass das Werk vonSarić an diesem Ort, also in einem Skulpturenmuseum präsentiert wird, in dem es um Raum, eigene Bewegung und die Rundum-Erfahrung geht.

Sarić wurde 1966 in Serbien geboren. Er hat in Belgrad vor allem Bildhauerei studiert; seine Abschlussarbeit hat er über die soziale Plastik bei Beuys geschrieben. Zu den Bildhauern, mit denen er sich besonders beschäftigt hat, gehören Calder und Brancusi; auch der Maler und Farbtheoretiker Johannes Itten wird schon früh für ihn wichtig. Über ein DAAD-Stipendium kommt er 1998 an die Düsseldorfer Kunstakademie, wo er die Klasse von Magdalena Jeteleová besucht und sein Studium fortsetzt. In Düsseldorf lebt und arbeitet er seither. Seine heutige Malerei, die neben den Objekten und Installationen auf Leinwand und Papier entsteht, vereint konkrete und expressiv abstrakte Impulse. Zugleich besitzt sie in der Beschäftigung mit den Möglichkeiten ihrer Produktion einen konzeptuellen Aspekt. Dazu tragen Malmaschinen bei, die größere Präzision und das Entstehen von Serien mit Zufall verbinden. Eine besondere Rolle spielt der Auftrag der Farben als Substanz.

Ein Beispiel dafür ist in Duisburg die achtteilige Serie hochformatiger, auf das menschliche Maß bezogener Bilder, die aus gestisch gezogenen farbigen Ellipsen bestehen, die ineinandergelegt sind. Farbe wird als gestischer Vorgang mit sukzessiver Variation sichtbar und bewegt sich in rasantem Sog in der Tiefe – oder stülpt sie sich nach außen? So wie Dejan Sarić Farbflächen im Raum entwickelt, so erzeugt er Raum auf der Farbfläche: Malerei und Skulptur sind in seiner Kunst nicht mehr zu trennen. Großartig!

Dejan Sarić – In Between | bis 13.12.26 | Lehmbruck Museum Duisburg | 0203 283 32 94

Thomas Hirsch

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