Taryn Simon, Troy Webb, Tatort, Er verbüßte 7 Jahre einer 47-jährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung, Entführung und Raubes. 2002, © T. Simon

Dem Unrecht auf der Spur

30. Januar 2014

Taryn Simon im Museum Folkwang – RuhrKunst 02/14

Die US-Amerikanerin Taryn Simon (geb. 1975) gehört zu den „Rising Stars“ der internationalen Kunstszene. Fast kometenhaft hat sie vor einigen Jahren Einzug in die erste Liga der Ausstellungshäuser weltweit gehalten. Einen guten Einblick in ihr Werk, das sich mit den Mitteln der Fotografie und der Rauminstallation zwischen Konzept, Spurensuche und Dokumentation verhält, liefert das Museum Folkwang in Essen. Entgegen ihrer Praxis, lediglich einen Werkkomplex als Ganzes auszustellen, sind hier Auszüge aus drei Werkgruppen zu sehen.

Möglich ist dies, da die Exponate aus der Essener Sammlung von Thomas Olbricht stammen. Taryn Simon inszeniert ihre Fotografien, mit denen sie sich dezidiert von einer reinen Dokumentation abgrenzt, mittels typografischer Lösungen der Wandtexte und der teils ausführlichen Bildtitel. Ihre Sachen sind – in allen ihren Werkgruppen – die „unangenehmen“, verdrängten oder verheimlichten Themen unserer Zivilisation, die sie vor allem in den Vereinigten Staaten aufgespürt hat. So hat sie mit der Großbildkamera all die unmöglichen, gefährlichen Dinge fotografiert, die der Zoll am New Yorker Flughafen sicher gestellt hat. Oder sie hat die Kartons fotografiert in denen die Beweisstücke von Vergewaltigungen aufgehoben, aber nicht ausgewertet werden, weil dazu die Ressourcen fehlen. Oder sie ist dem Weg des Sondermülls in Krankenhäusern nachgegangen.

Bei der zweiten Werkgruppe gibt sie u.a. den Opfern des Massakers von Srebrenica ein Gesicht, verfolgt den Stammbaum von einem der Nazigrößen der NS-Diktatur und kombiniert die Fotos in Schautafeln mit Archivalien. Die dritte vorgestellte Werkgruppe widmet sich zu Unrecht verurteilten Personen, die auf Fotografien – vermeintlich – identifiziert wurden. Sie demonstriert damit die Beeinflussbarkeit durch die Fotografie, die plötzlich gar nicht mehr so dokumentarisch ist. Taryn Simons Qualität liegt darin, daraus hervorragend dichte, eindringliche Fotografien zu inszenieren und uns nachdenklich, zweifelnd zurückzulassen.

„Taryn Simon – There Are Some Who Are In Darkness“| bis 2.März | im Museum Folkwang Essen | www.museum-folkwang.de

THOMAS HIRSCH

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