Der Jahreswechsel wird schon seit Jahrtausenden gefeiert. Mal im März, September, Oktober, mal am 25. Dezember, mal am 1. oder 6. Januar. So unterschiedlich auch die Terminansetzungen, so kontinuierlich die Bedeutsamkeit der Ritualisierung des Festes. Ausgelassen und frech, streng als Bußtag, mit Knall und Blitz gegen Dämonen – jede Zeit, jede Gesellschaftsschicht, jede Kultur hat und hatte eigene Zeremonien.
Mittlerweile hat es sich hierzulande eingebürgert, Jahresrückblicke als Vorbereitung auf das neue Jahr in den Ritus mit einzubeziehen und den doppelgesichtigen Janus in den Dezember zu verfrachten. In der Hoffnung, dass sich keine Übersättigung an Bildern des ausklingenden Jahres einstellt, sei ein kleiner Blick zurück auf das Kinojahr 2013 geworfen: Das Jahr startete staubig und blutig, als Quentin Tarantino seine Favoritenthemen Liebe, Hass und Rache in einer Western-Variante von Siegfried und Brunhilde inszenierte. Stand der Hommage-Regisseur in der Vergangenheit häufiger wegen seines Hangs zu überaus blutiger Darstellung in der Kritik, wurde er diesmal mit Lobgesängen überschüttet, nicht nur von Kritikern, sondern auch von den Kinogängern, denn „Django Unchained“ ist mit knapp 4,5 Millionen Besuchern in Deutschland der erfolgreichste Film des Jahres. Konkurrenz kann ihm in diesem Monat nur noch Peter Jackson mit dem zweiten Teil seiner epischen Hobbit-Verfilmung machen, der diese technikversessen mit 48 Bildern pro Sekunde abspielt, ein Prinzip, das sich für 3D-Filme womöglich durchsetzen wird.
Übrigens ist auch Peter Jacksons Regie-Start mit blutrünstig-grotesken Werken gepflastert. Vielleicht ein Erfolgsgarant? Das Jahr unterhielt mit weiteren Blockbustern prächtig, Sequels wie „Kokowääh 2“, „Hangover 3“, „Iron Man 3“ und „Stirb langsam 5“ lockten die Storyliebhaber vor die Leinwand. Festivalpreise und Awards wurden nach den üblichen Regeln vergeben: Christoph Waltz bleibt als Nebendarsteller in den Staaten unglaublich beliebt, ebenso wie politische Thriller, die auch mal die First Lady zum Sieger kürt, worüber die „Achse des Bösen“ gar nicht amused ist. Berlin, Cannes und Venedig kürten dagegen abseitiger mit dem Anspruch an Kunst. The same procedure as every year.
So schön das Gewohnte auch ist, umso schöner sind die herausragenden Besonderheiten. Der Lola-Abräumer „Oh Boy“, die absurde Komödie „Michael Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“, „Ich fühl mich Disco“ von Low-Budget Filmer Axel Ranisch und der deutsche Cannes-Beitrag von Regie-Debütantin Katrin Gebbe „Tore tanzt“ zeigen, dass der deutsche Film anders und (dennoch) gut sein kann, dass er nicht nur von den großen Namen wie Fassbinder, Herzog und Wenders lebt. In einem anderen Kulturkreis versuchte sich in diesem Jahr überhaupt einmal ein Name zu etablieren, sogar ein weiblicher: Mit „Das Mädchen Wadjda“ schuf die Regisseurin Haifaa Al Mansour den ersten saudi-arabischen Film, ein kleines Märchen, ohne zu verklären, mit Hoffnung auf Veränderung.
Frau und Film, Filme aus heimischen Gefilden sowie aus wenig populären Kulturen – dieser Themen nahmen sich auch dieses Jahr die Kinofestivals im Ruhrgebiet an. Das Internationale Frauenfilmfestival, cine cubano, Tage des russischen Films, die Duisburger Filmwoche, blicke und Kinofest Lünen ergänzten auch in diesem Jahr das Programm der nun vollständig digitalisierten Kinos im Ruhrgebiet. In diesem Sinne einen guten Rutsch ins neue, spannende (Kino-)Jahr, ob ausgelassen und frech, streng als Bußtag, mit Knall und Blitz gegen Dämonen oder nach eigenen Regeln.
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