Kunst-Ausstellungen im Theater haben eigentlich immer einen fahlen Beigeschmack. Zu schnell werden sie zu einer Dekoration des Wartens und damit der Beiläufigkeit ausgesetzt. Im Theater Dortmund ist momentan ein Gegenbeweis zu sehen. Die Ausstellung „Weisse Wölfe“ ist eine grafische Reportage über rechten Terror. Schwarzweiße Comic-Tableaus hängen da im Rang-Foyer, schneller Konsum ist möglich, Beiläufigkeit oder Deko sind ausgeschlossen, David Schraven (Text) und Jan Feindt (Grafik) haben eine Recherche über den braunen Mob gemacht. Oder, wie David Schraven es bei der Eröffnung auf den Punkt brachte, eigentlich nur eine Frage beantwortet: Was in aller Welt treibt jemanden aus Baden-Württemberg dazu, quer durch die Republik zu reisen um ausgerechnet in Dortmund einen Türken zu erschießen?
Beim schnellen Rundgang sind es erst einmal die expressiven Bilder, mit denen Jan Feindt die Reportage visualisiert, dunkel ist es in Deutschland, dunkel in den Köpfen dieser Jugendlichen, die zwischen Bier und Sex und dumpfer Musik „politische Soldaten“ werden wollen. Ihre Ideologie dafür ist meist fremdgesteuert, und wer erst einmal in die Szene rutscht, der fühlt sich wohl zwischen Kameradschaft und Untergrund, darin unterscheidet sie sich in nichts von denen, die lieber in Syrien Videospiele Realität werden lassen wollen. Und Dortmund ist eine Hochburg, wenn die gut situierten Stadtfuzzis das auch nicht wahrhaben wollen. Ein großes Tableau der Zellen in der Stadt beweist das Gegenteil.
Nimmt man den „Comic für die Gesellschaft“ selbst in die Hand – und das sollte man – taucht man ein in eine krude Gedankenwelt, in Brutalität und Hoffnungslosigkeit einer Ideologie, die weltweit seine Anhänger rekrutiert. Erst hier wird das Konstrukt aus Text und Zeichnung auch zum eigentlichen Kunstwerk. Der braune Faden ist das ideologische Fundament des rechten Terrors: die verbotenen Turner-Tagebücher. Und selbstverständlich hat die Geschichte auch kein Happy End. Die Geister, die sich irgendwann in allen Gesellschaften einnisteten, mögen hart, zäh und flink sein, aber sie sind nicht unbesiegbar.
„Weiße Wölfe“ | bis 26.6. | Schauspiel Dortmund, Rangfoyer | 0231 502 72 22
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