Essen, 24. Juni – Jeden letzten Dienstag im Monat ist im Filmstudio Glückauf in Essen ein Film der Reihe Ciñol zu sehen. Organisiert und geplant wird diese Filmreihe von den Essener Filmkunsttheatern und dem Spanischen Elternverein e.V. Unter den Spanischsprachigen und den Hispanophilen erfreuen sich die Filme großer Beliebtheit. Im Juni feierte der Ciñol-Abend eine Premiere, denn zum ersten Mal war zu dieser Reihe ein Regisseur für ein anschließendes Filmgespräch zu Gast im Kino: David Blanco, Regisseur von „La Sombra del Sol“.
Wer bereits zu Besuch in Barcelona war, weiß, dass sie zum Stadtbild gehören: die Obdachlosen. Drogenabhängige, Alternative mit Hunden, Alte und Junge, die bettelnd am Straßenrand sitzen sowie Lustige und Traurige, die den sorglos flanierenden Touristen mit Schnickschnack oder einstudierten Nummern ein paar Münzen entlocken wollen. In dieser Welt ist David Blancos Drama „La Sombra del Sol“ angesiedelt. „La Sombra del Sol“, zu deutsch: Schatten der Sonne, erzählt nicht nur die Geschichte zweier Obdachloser des Stadtteils El Raval in Barcelona, sondern auch die Geschichte zweier Freunde mit ungleichen Lebensphilosophien angesichts einer auseinanderklaffenden Gesellschaft.
Der schon ergraute Obdachlose Pelé mimt den philosophisch angehauchten Intellektuellen, der ununterbrochen über den „Homo sapiens“ schimpft, der voller Neid und Bösem sei und ihn seiner Freiheit berauben möchte. Sein größter Traum ist es, wie in den 70ern in Goa zu leben, wo ihn niemand einsperren will und jeder ungebunden sein darf. Im Gegensatz dazu steht der kindlich naive Claudio, der sich mit großem Augen an den kleinen Dingen der Welt erfreut.

Dieses teils märchenhafte, teils schonungslos nüchterne Spiel stieß im gut gefüllten Filmstudio auf Zustimmung und so wurde Regisseur David Blanco unter großem Applaus begrüßt. David Blanco ist selbst in Barcelona zu Hause und kennt die Geschichten der Obdachlosen sehr gut. Die Szenen, die seinen Film ausmachen, seien reale Geschichten, erzählt er, sie passieren auf den Straßen Barcelonas jeden Tag.
Einige Gespräche unter Obdachlosen habe er wörtlich aus den Berichten der Polizei übernommen. Sicherlich baue sich die Dramaturgie des Filmes auf den beiden Extremen Pelé und Claudio auf, doch habe er versucht, alles, was auf der Straße passiert, alle Charaktere in einem Film, in einer Geschichte zu fassen. Beim Schreiben des Drehbuchs hat Blanco sich jedoch nicht dazu hinreißen lassen, seiner Erzählung ein Happy End zu verpassen. Nach einer Statistik schaffen es lediglich 3 Prozent der Betroffenen, ihrer Obdachlosigkeit zu entkommen und so habe auch er der Realität entsprechend nur einem von vielen Charakteren seines Films erlaubt, ein Leben abseits der Straße zu finden.
Blancos facettenreicher Einblick in die Welt der Obdachlosen Barcelonas wurde auf dem Filmfestival in Málaga mit dem Publikumspreis belohnt und auch der Staat hatte ihn im Vorfeld während seines fünf Jahre dauernden Projektes unterstützt. Doch leider sei trotz aller Versuche noch kein Verleiher für seinen Film gefunden worden, so Blanco. Umso schöner, dass sich im Filmstudio die Gelegenheit einer Vorführung ergeben hat. Zumal die rege Teilnahme am Filmgespräch das Interesse an diesem Thema zeigt.
Doch eine Frage brannte den Zuschauern noch auf der Zunge: Weshalb parliert der Protagonist Pelé über den „Homo sapiens“? Er beziehe sich dabei auf die Frage, warum der Mensch vom Baum geklettert sei und ob er sich tatsächlich weiterentwickelt habe, gab Blanco zur Antwort.
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