Anne Delstanche im Bahnhof Langendreer über Cuba.
Foto: Lisa Mertens

Die andere Berichterstattung

20. Mai 2013

Kurzfilme über Kuba im Bahnhof Langendreer – Foyer 06/13

Bochum, 16.5. – Sie selbst sei keine ausgebildete Filmemacherin, habe sich jedoch früh damit beschäftigt und wolle das Bild, das die hiesige Berichterstattung von Kuba malt, aufgrund anderweitiger Erfahrungen während ihrer zahlreichen Kuba-Aufenthalte modifizieren. Im Bahnhof Langendreer zeigte die belgische Regisseurin Anne Delstanche in Kooperation mit der Humanitären Cuba Hilfe e.V. drei Kurzfilme über regenerative Energien, medizinische Versorgung und über Bildung in Cuba.

In Kuba bedeutet regenerative Energie, insbesondere die Solarenergie, nicht nur Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen, sondern auch die die Unabhängigkeit der „kleinen Leute“ von großen Konzernen. Die kubanische Regierung fördert die Energiewende mit dem Programm „Revolución Energética“, wie Delstanche in „El Sol“ zeigt. In ihrem zweiten Film dokumentiert Delstanche das kubanische Programm zur Alphabetisierung auf Haiti. Die dritte Dokumentation porträtiert die medizinische Hochschule ELAM, an der ein kostenloses Studium für engagierte Lateinamerikaner angeboten wird. Bereits bevor sie in ihre meist arme Heimat zurückkehren, helfen die Medizinstudenten, wo es nötig ist und gewinnen so wertvolle Praxiserfahrung.

Die Anwesenden im Bahnhof Langendreer, größtenteils Mitglieder des Vereins Humanitäre Cubahilfe oder aufgrund ihrer Herkunft mit dem Inselstaat in der Karibik eng verbunden, interessieren sich besonders für die Struktur der medizinische Hochschule. Wer dürfe dort studieren? Wird das Studium überall anerkannt? Ist es dem unsrigen in Deutschland gleichwertig? Die ELAM nehme keine Studenten aus Europa auf, da sie für junge Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten initiiert wurde. Nach ihrem Abschluss verpflichten sie sich, fünf Jahre lang auf dem Land und nicht in größeren Städten zu arbeiten, um den sozialen Gedanken weiterzuverfolgen. Vereinzelt seien auch Studenten aus den USA an der Schule eingeschrieben, doch sei der Druck auf sie seitens der Regierung immens hoch. Einige Studenten kehrten bereits zu Beginn aus Angst vor Geld- und Gefängnisstrafen wieder in die USA zurück. Dort sei die Anerkennung des Abschlusses besonders kompliziert. Sicherlich verfolge die Ärzteausbildung auf Kuba einen anderen Ansatz und sei daher in der Qualität nicht mit anderen Abschlüssen zu vergleichen. Auf Kuba lege man mehr Wert darauf, dass das Verhältnis Arzt zu Patient ein individuelles, persönliches sei. Auf Haiti, wo die Kubanischen Ärzte nach dem Erdbeben im Einsatz waren, kämen diese gleich nach Gott. Die Beziehung zwischen Haiti und Kuba sei generell eine hochemotionale Herzenssache, bestätigte einer der Anwesenden mit Wurzeln in Haiti.

Die Beziehung Kubas zu anderen Ländern, z.B. Guatemala, habe sich insbesondere seit dem neuen Energieprogramm verbessert, so Delstanche. Der Zusammenbruch der UdSSR sei für Kuba eine harte Lektion gewesen hinsichtlich der Energieunabhängigkeit. Nun versuche man, über die neuen Energien einen Austausch zu den umliegenden Ländern zu fördern. Kuba sei viel daran gelegen, ein Bewusstsein für die regenerativen Energien in der Bevölkerung zu schaffen und das Land exportiere sogar Solaranlagen.

Anne Delstanches Anliegen, Informationen zu geben, die man sonst nicht bekommt, ist beim belgischen Fernsehen auf Ablehnung gestoßen. Durch Veranstaltungen wie z.B. die der Humanitären Cuba Hilfe jedoch liegt es an einem selbst, wie man mit diesen Informationen umgeht und ob man diese gegebenenfalls als Ergänzung zu der täglichen Berichterstattung nutzt.

LISA MERTENS

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