Was für Bilder! Die Formate und die Motive sind riesengroß. Die Malerei ist expressiv und wirkt ungezügelt. Die Farbe ist als plastische Masse aufgetragen, über die Leinwand gewischt oder wirkt auf sie geklatscht. Organische Formen jonglieren zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Mit Abstand betrachtet wirken sie hyperrealistisch und zeigen in leichter Draufsicht vereinzelte banale Motive, manchmal auch Worte, die mit staksigen Buchstaben über das ganze Bildfeld geschrieben sind. Kurzum, die Gemälde von Dieter Krieg, die derzeit in der Küppersmühle in Duisburg zu sehen sind, sind sperrig und irritierend. Und doch oder gerade: Dieter Krieg (1937-2005) hat die Malerei geliebt und an sie als Medium der Weltsicht geglaubt. Er lässt ihre Eigendynamik zu und versteht sie als Forschung, die Kalkulation und Spontaneität verbindet und noch sein Zögern und Handeln zum Ausdruck bringt. Dazu hat er ein enormes Repertoire an Techniken entwickelt und mit den Bildträgern, den Farbsubstanzen und ihrem Auftrag experimentiert. In all dem war er unangepasst – das betrifft sein gesamtes Werk.

Bekannt wurde Dieter Krieg schon früh, direkt nach dem Studium in Karlsruhe, mit ernsthaften, subtil humorvollen eigenbrötlerischen Malereien. Als Beitrag zur damaligen „Neuen Figuration“ hat er bandagierte Körper gemalt, deren Deformationen den Blick auf ihre Psyche vermitteln und eine gebrochene Weltsicht ausdrücken. Etwas später malt er hochformatige Gemälde, die aus der Vogelperspektive auf graue Wannen mit ihren weichen Verläufen gerichtet sind. Schon davor hat er als konzeptuelles Werk und Beitrag im Deutschen Pavillon der Biennale Venedig 1968 die Namen aller Maler und Malerinnen aus dem Künstler-Lexikon Thieme-Becker verlesen lassen und so an die unvergessenen und die vergessenen aus allen Zeiten erinnert. Was also kann ein solcher Künstler anderes sein als ein Vollblutmaler?
In der Küppersmühle ist nun das Hauptwerk aus den 1980er und 1990er Jahre ausgestellt, das zügellos scheint, aber höchst versiert und kontrolliert ist. Dieter Krieg, der selbst als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf unterrichtet hat, aber als Person zurückhaltend und fast unsichtbar auftrat, hat mitunter schwarze Farbe als Illusion eines Schattens gesprayt, der die Darstellung plastisch steigert. Die Sujets sind in Duisburg etwa – wiederholt – ein Spiegelei, eine Matratze, eine Kerze, ein Hemd an einem Kleiderbügel oder Pflanzen. Zu sehen sind aber auch Bücher, auf denen die Namen von Schriftstellern geschrieben sind. Sie sind Hinweise auf seine Leidenschaft für die Literatur, besonders von Arno Schmidt, James Joyce und Samuel Beckett, also zum Seismographischen und absurd Existenziellen hin mit der Frage, wie der Alltag mit der Endlichkeit des Lebens in Einklang zu bringen ist. Die Sujets, die die gesamte Malerei von Dieter Krieg umfassen, sind von daher nicht fern. Sie betreffen die Vergänglichkeit und das Dasein. Sie streben danach, ein Stück der Welt zu begreifen, sich über sie im Klaren zu werden anhand der kleinen Ereignisse und der Rituale. Malerei wird zum trostreichen, erfrischenden Abenteuer auf dem Weg des Lebens.
Dieter Krieg – Maler, Diebe und Gesindel | bis 24.8. | Museum Küppersmühle Duisburg | 0203 30 19 48 11
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