Die Stadt dachte, dass er sich als Eintagsfliege herausstellen würde, doch Genclikspor Recklinghausen gibt es nun seit bald 20 Jahren. Muharrem „Marco“ Gürbüz, Geschäftsführer des türkisch geprägten Fußballvereins, hat selbst früher beim TUS Recklinghausen gespielt, sich dann aber 1994 entschlossen, einen eigenen Fußballclub zu gründen. Im Anschluss an die Dokumentation „Weltklasse Kreisklasse“ erzählt er im Endstation Kino in Bochum von dem Leben im Verein und wie sich ein „türkischer“ Fußballverein von einem „deutschen“ unterscheide.
Daniel Huhn, Regisseur der Dokumentation, kommt selbst aus und Recklinghausen und hat dort Fußball gespielt bevor er für sein Studium der Politikwissenschaft nach Münster zog. Im Rahmen seines Studiums habe er zum Thema Migration geforscht und 20 türkisch geprägte Vereine unter diesem Gesichtspunkt unter die Lupe genommen. Vereine nehmen im gesellschaftlichen Leben des Ruhrgebiets einen hohen Stellenwert ein,, weshalb es lohnenswert sei, sich dem Thema Migration über den Fußball zu nähern.
In den Medien kommen türkische Fußballvereine stets schlecht weg, weiß Gürbüz. Disziplinlosigkeit, endloses Gemeckert und rabiate Spielweise würden in der Öffentlichkeit hängen bleiben. Leider seien diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen. Bei Schirientscheidungen bleiben die Spieler nicht ruhig, sie lassen sich von Gegenspielern provozieren und können kein Foul auf sich sitzen lassen. Sicherlich verhalten die gegnerischen Mannschaften nicht korrekt, provozieren bewusst Respektlosigkeiten gegenüber der Familie, bringen Sprüche wie „Schafft die Bälle weg, sonst klauen sie die Türken“, doch predige er seinen Spielern, dass letztendlich sie selbst für ihre Handlung verantwortlich seien und einfach mal ruhig bleiben sollen. Meistens funktioniere das nicht. Spieler, die privat freundlich und umgänglich seien, kassierten bei fast jedem Spiel gelb-rot. Einige Vereine weigern sich daher gegen Genclikspor zu spielen oder bringen ihre Sporttaschen aus Angst nach Hause. Auch wenn seine Spieler mittlerweilein dem Bereich schon Fortschritte gemacht haben, müsse man weiter an dem sportlichen Verhalten arbeiten. Andererseits werden die positiven Seiten türkisch geprägter Fußballvereine, oder speziell von Genclikspor, gerne in den Medien unerwähnt gelassen. Die intensive Jugendarbeit, der familiäre Zusammenhalt und die unbedingte Unterstützung gebe es in der Form in „deutschen“ Vereinen nicht. Häufig werde Genclikspor als ein Verein nur für Türkischstämmige dargestellt. Momentan jedoch seien bereits 30% nicht türkischstämmig und selbst „Deutsche“ treten dem Verein bei, da sie seine Vorzüge schätzen. Man sei offen für alle und möchte niemandem ein Verhalten aufzwingen. Wenn jemand fünf Mal bete, dann respektiere er das, wenn er jedoch ein Bier nach dem Spiel trinkt, sei auch dies zu respektieren, so Gürbüz.
Die Arbeit mit dem Filmteam sei klasse gewesen, stimmte Gürbüz Daniel Huhn zu. Sie seien die ganze Zeit ohne Probleme dabei gewesen, waren Teil des Platzes und konnten das Vereinsleben gut miterleben, erklärte Huhn. Er hoffe, mit seinem Film einen recht objektiven, nicht beschönigenden noch zu kritischen, Einblick in die türkisch geprägte Vereinskultur geben zu können.
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