Foto: MARKK Hamburg

Lebende Kunst in toten Museen

19. Januar 2022

Kunst aus Ghana im Ostwall Museum im Dortmunder U – Kunstwandel 01/22

Wer an Afrika denkt, denkt nicht notwendigerweise zuerst an Geometrie – Wüsten, Urwald und weite Savannen haben eben weniger mit Ecken und Kanten zu tun. Sehr überraschend ist deshalb der erste Blick auf den Eingang zu einem Parcours durch die Ausstellung „EFIE. The Museum as Home", die neben der Präsentation zeitgenössischer afrikanischer Künstler auch traditionelle Präsentationsformen des Westens in Frage stellen will.

Die seit der Venedig-Biennale 2019 international bekannte ghanaische Autorin, Filmemacherin, Kuratorin und Künstlerin Nana Oforiatta Ayim kuratierte im Dortmunder U auch eine Ausstellung mit kolonialer Raubkunst, die nicht nur Fragen von zukünftiger Restitution – die im Ruhrpott groß gewordene Künstlerin ist auch dafür in Ghana zuständig –, sondern auch in einem echten thematischen Kontrast stehen, beispielsweise zum zeitgenössischen Afrofuturismus eines Afroscope (Nana Opoku). Neben ihm sind auch Arbeiten der Künstler El Anatsui, Diego Araúja, Rita Mawuena Benissan, Kwasi Darko, Studio Nyali und Na Chainkua Reindorf zu sehen. Alles dreht sich um Heimat, wobei es dabei wohl mehr um die Heimat der Kunstwerke als die der Menschen geht. Denn ein Museum sei keine Heimat für afrikanische Kunst, sagt die Kuratorin, zumindest wenn man die historischen Werke betrachtet, die immer eher in ethnologischen Sammlungen gelandet sind und damit nicht nur ihre Präsenz, sondern auch Lebenskraft und Seele verloren haben. Museen mögen die Menschen in Ghana nicht und so gibt man den Kunstwerken neue, wandernde Räume in der Öffentlichkeit.

Kommen wir zur geometrischen Überraschung: Der Architekt DK Osseo Asare hat für die reisenden Werke ein zerlegbares geometrisches Bambusgerüst entwickelt, Assoziationen an ghanaische Kioske sind Konzept – der Name „Fufuzela“ lässt bei Fußballfans sicher falsche Assoziationen zu. Artifiziell im westlichen Duktus ist das Gerüst allerdings modulare Open-Source-Architektur. Die auf dubiosen Wegen in die bundesdeutschen Museen gelandeten Artefakte werden nun liebevoll in diese beweglichen Räume eingebettet, audiovisuell erhöht und alle mit einer Schale Opfergaben geehrt, was auch an den traditionellen Umgang mit westafrikanischen Orishas erinnert.

EFIE. The Museum as Home | bis 6.3.22 | Dortmunder U | 0231 502 47 23

Peter Ortmann

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