Dortmund, 3. Mai – Beim 3. Türkischen Filmfest Ruhr waren nicht nur aktuelle Spielfilme aus der Türkei zu sehen, sondern auch einige Klassiker, die man sonst selten oder nie im Kino erleben kann. So präsentierte Festivalleiter Fikret Günes im Dortmunder U „Otobüs“, ein Drama aus dem Jahr 1974 um neun türkische Arbeitsmigranten, die sich in einem schrottreifen Bus auf den Weg nach Schweden machen und dort kläglich scheitern. Der Regisseur Tunç Okan erzählte im Filmgespräch über das Abenteuer, mit unprofessionellen Mitteln vor 40 Jahren seinen Debütfilm „Otobüs“ zu realisieren, ohne zu ahnen, dass ein Klassiker des türkischen Kinos entstehen sollte, der –so war man sich im Kino einig- im Zuge der gegenwärtigen Europäischen Flüchtlingspolitik nichts von seiner thematischen Brisanz verloren hat. Der große Schauspieler Tuncel Kurtiz, dem das Festival eine Hommage widmete, war in der Rolle des Menschen-Schmugglers in einem seiner ersten Filme zu sehen: „Ein großer Bohemien, ein Künstler durch und durch“, bescheinigte Tunç Okan.
Okan, damals selbst ein junger Schauspieler, war mit Kurtiz befreundet; und auf den Vorschlag, gemeinsam einen Film zu drehen, war Kurtiz sofort dabei. Als Person sei Tuncel Kurtiz, der im letzten Jahr verstorben ist, nicht einfach gewesen, aber sein schauspielerisches Talent war überragend. „Wir waren beide Sozialisten auf eine poetische Art.“, schmunzelt Okan. „Einen Produzenten konnten wir nicht finden, aber ein Freund hat mir ein bisschen Geld geliehen. Während ich diszipliniert das Projekt zusammen halten musste, hat Tuncel den Künstler gegeben.“ Lachend erinnert sich der Regisseur daran, wie wenig er damals selbst vom Filmemachen wusste; der Dreh sei für ihn eine Art praktische Filmschule gewesen. Die Geschichte über die neun türkischen Migranten hatte er in der Zeitung gelesen, aber sein Drehbuch bestand weniger aus einer Geschichte mit ausformulierten Szenen, als vielmehr aus einer Abfolge von 500 Bildern. „Otobüs“ sollte mehr einem Stummfilm ähneln, und so wurden nur wenige Dialoge ausgearbeitet und stattdessen mit einer jazzigen, improvisierten Filmmusik experimentiert.
In dem langen Filmgespräch kam immer wieder die Frage nach der Aktualität des Themas auf. „Auch heute noch versuchen viele Menschen in die Festung Europa zu gelangen. Wie tragisch das oft ausgeht, können wir in den Medien verfolgen.“, bemerkt Fikret Günes. Regisseur Tunç Okan appelliert daran, dass wir alle weniger egoistisch sein müssen. „Mein Traum ist eine freie Weltrepublik.“
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