Das Thema schien schon bearbeitet. Kein Jahr ist es her, dass in der Villa Hügel eine Foto-Ausstellung zum Krupp-Konzern zu sehen war, die auch die Fotobegeisterung der Familienmitglieder selbst belegte und zwischen Dokumentation, Repräsentation und privater Vorliebe vermittelte. Die Ausstellung „Mythos Krupp“, die nun im Ruhr Museum auf Zeche Zollverein zu sehen ist, geht indes anders mit den Fotografien um, ordnet sie nicht technisch oder aus der Bedeutung für die Familie, sondern bezieht sie auf die zeitlichen und historischen Zusammenhänge und unternimmt so eine differenziertere Einordnung. Und Fotografie ist hier nur eines der Medien der Vermittlung; es gibt noch Filme, Firmenmaschinen, alltägliche und außerordentliche Gegenstände und sogar Gemälde zu sehen. Gewiss ist auch die industrielle, raue Umgebung in der Kohlenwäsche der rechte Ort für diese Ausstellung, die in achtzehn Kapitel gegliedert ist und sich dabei ebenso der nächsten Umgebung der Familie widmet wie den Produktionsstätten und den Statussymbolen.
Die Geschichte von Krupp ist spektakulär, ungewöhnlich, von Höhen und Tiefen, Angepasstheit, gesellschaftlicher und kultureller Aktivität und Expansionsdrang wie auch Erfolgen, Fortschritt und Verantwortung geprägt. Sie steht für den Aufbruch der deutschen Wirtschaft in die Welt und die Mitwirkung beim Zweiten Weltkrieg. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Profilierung und Umstrukturierung des Ruhrgebiets, auch als Arbeitgeber. Aber die Familie Krupp stand auch selbst immer im Licht der Öffentlichkeit, seit Friedrich Krupp im November 1811 eine Gussstahlfabrik gründete. Im Jahr darauf wurde sein Sohn Alfred geboren, unter dem das Unternehmen expandieren sollte und die Basis für die weiteren Entwicklungen gelegt wurde. Erst in jüngerer Zeit ist die Familie Krupp aus der Leitung ausgeschieden; später wurde Krupp mit Thyssen fusioniert und zuletzt wurde die Hauptverwaltung wieder in Essen angesiedelt.
Ist es nun gut oder schlecht, dass die Anordnung inmitten der Kohlewäsche so gestückelt ist und dadurch z.B. der chronologische Faden bisweilen verloren geht? Eindrucksvoll sind die historischen Dokumente zur Familiengeschichte zu Beginn der Ausstellung; sehr zusammengedrängt sind allerdings am Ende der Halle die textlichen, fotografischen und filmischen Hinweise auf die letzten leitenden Angehörigen der Krupp-Familie zwischen privatem Reichtum und Verantwortung. Aber aus den Fragmenten mit den teils sehr eindrucksvollen Exponaten resultiert ein lebhafter Eindruck zur Geschichte von Krupp – und am Schluss ist der „Mythos Krupp“ zwar nicht entzaubert, aber doch nachvollzieh- und begründbar. Wichtig ist hier zudem die Nähe zur Schausammlung des Ruhr Museums. Mit rund 1.500 Exponaten, davon die Hälfte aus dem Historischen Archiv Krupp: eine gute kultur- und industriegeschichtliche Ausstellung mit vielen Verweisen auf die Geschichte Deutschlands.
„200 Jahre Krupp – Ein Mythos wird besichtigt“, bis 4. November im Ruhr Museum auf Zollverein in Essen, www.ruhrmuseum.de
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