Bochum. 31. März – Ein Arzt steht im Zentrum des Dokumentarfilms „Out of the Darkness“. In extrem abgelegenen Regionen operiert Dr. Sanduk Ruit in mobilen Camps blinde Menschen, die von jeder medizinischen Versorgung ausgeschlossen sind und schenkt ihnen wieder das Augenlicht. Der Regisseur Stefano Levi erzählt im lebhaften Filmgespräch im Endstation.Kino sympathisch von den schwierigen Dreharbeiten in den nepalesischen Bergen, in die sein Filmteam die Ärzte auf tagelangen Fußmärschen begleitete. „Am ersten Drehtag haben wir uns angeschaut und gesagt: Das schaffen wir nie“, erinnern sich Levi und seine Teamkollegen, die dem interessierten Publikum lange Rede und Antwort stehen. Kennengelernt hat Levi den beeindruckenden Arzt, als er im Jahr 2007 ein Augencamp als Fotograf begleitete. Dort sei er aber an die Grenzen des Mediums gestoßen, weil es ihm nicht gelang, die Emotionen einzufangen, die er dort erlebte, wenn Blinde einen Tag nach einer vierminütigen OP wieder sehen können. „Diese Geschichte möchte ich der Welt erzählen“, befand Levi und machte sich daran, einen Film vorzubereiten. Dann sei alles viel schneller gegangen: Bevor überhaupt die Filmfinanzierung stand, meldete sich Dr. Ruit und kündigte an, dass die nächste Tour bereits in zwei Monaten losgehe – und das auch noch in sein Heimatdorf Siwa hoch oben am Olangchungola-Pass, das er seit Jahrzehnten nicht mehr besucht hatte, und wo der frühe Tod der Schwester ihn auf den Weg zum Arztberuf gebracht hatte. Eine Gelegenheit, die Levi sich nicht entgehen lassen konnte.
Er und Regie-Assistentin Lisa Wagner schildern anschaulich, wie sie sich selbst alles abverlangen mussten, um Schritt zu halten auf der Expedition. Man habe sich zwar körperlich vorbereitet, aber für sie als Stadtmenschen sei es sehr schwer gewesen: „Wir sind an unsere Grenzen gekommen.“ Auch viele Ideen, die man sich vor den Dreharbeiten in Deutschland gemacht hatte, ließen sich nicht umsetzen. „Da mussten wir improvisieren und sehr flexibel sein.“ Eine Herausforderung war laut Wagner, dass sie ständig in der Nähe des Ärzteteams bleiben mussten und sich deswegen die Recherche unter den betroffenen Patienten und Dorfbewohnern als extrem schwierig erwies. Zudem seien die Ärzte dermaßen gut organisiert gewesen und im reibungslosen Ablauf im Einklang miteinander, dass das Filmteam manchmal mit den Ereignissen einfach nicht mitgekommen sei. Unter drei Minuten dauert bei Dr. Ruit eine OP, die für den Patienten das ganze Leben verändern wird. Er sei der schnellste Arzt der Welt, und sein Ziel ist es, die vermeidbare Blindheit auf der ganzen Welt zu besiegen.
Um die Kosten für Linsenimplantationen auf einen Bruchteil zu senken, entwickelte Sanduk Ruit gemeinsam mit dem Australier Fred Hollow in Kathmandu eine eigene Linsenproduktion und eine Methode, die es erlaubt, ambulant zu arbeiten. Hunderte Patienten stehen Schlange, wenn das Ärzteteam in den Dörfern eintrifft. Um Vertrauen zu schaffen und den Leuten die Angst zu nehmen, werden die Operationen in einem improvisierten public viewing auf einem kleinen Monitor den Wartenden live übertragen. Wie ein indisches Restaurant mit offener Küche, habe Dr. Ruik Levi erklärt. Als einmal mitten in der Behandlung im Hagelschauer der Strom ausfällt, beendet der Arzt die OP mit Hilfe einer Taschenlampe.
Seine Erfolgsquote unter diesen Bedingungen liegt bei 99%, weiß der Regisseur zu berichten. „Ich finde das ganz großartig“, schwärmt Stefano Levi. „Dr. Ruit ist weltweit eine anerkannte Persönlichkeit, er ist die Inspirationsquelle und sammelt jetzt Geld, um die Technik auch in Afrika und Asien zu verbreiten“. Bei so viel Engagement des Protagonisten im Film und des Filmteams im Kino schwappt die Begeisterung an diesem Abend auch ins Publikum über.
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