G. Graubner: Rosa mysthica, 2010/11; crescendo, 2006
Foto: Werner Hannapel/© G. Graubner

Farbe als Emotion

26. Oktober 2011

Gotthard Graubner im Museum Quadrat Bottrop – Ruhrkunst 11/11

Die beste Formulierung zu dieser Malerei stammt von Gotthard Graubner selbst: Als „Farbraumkörper“ bezeichnet er seine zum Quadrat tendierenden ungegenständlichen Bilder seit 1970. Graubner, geboren 1930 im Vogtland und seit den 1950er Jahren in Düsseldorf ansässig, hat dazu die Leinwand über synthetische Watte gespannt, so dass eine Art massives, sanft gewölbtes Kissen entsteht. Er trägt die Acrylfarben so auf, dass er sie später überarbeiten kann, nie aber Pinselstriche zu sehen sind: Die Fläche wird zum hauchzarten Kontinuum. Tatsächlich ist die Farbe, die das Bild als solches organisiert, in radikaler Ausschließlichkeit gegeben – und das ist ein weites, unerschöpfliches Terrain!

Für seine Malerei wurde Graubner vielfach geehrt, er hat den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielt, wobei er an Ort und Stelle, auf Licht und Atmosphäre reagierend, seine großformatigen Bilder gemalt hat. Er wurde zweimal auf die Documenta eingeladen, erhielt etliche Kunstpreise, und seine Gemälde hängen am Amtssitz des Bundespräsidenten. Die Malereien modulieren die Farben subtil, fetzenhaft treten weitere Schichten auf, oft strahlt Helligkeit von innen heraus. Graubner erzeugt Stimmungen und emotionale Zustände, die von Mal zu Mal ganz unterschiedlich ausfallen, und er stellt diskrete Bezüge zur klassischen Kunstgeschichte her. Dabei entziehen sich seine Bilder der statischen Betrachtung und forcieren eine kontemplative Wahrnehmung. Mithin versprühen sie sich als summarischer Farbrausch in den Realraum. Graubner selbst hängt die riesigen Bilder übrigens niedrig, so dass sie geradezu physischen Kontakt mit dem Betrachter aufnehmen; das kennzeichnet nun auch die ganz neuen, fast homogen gelben Gemälde, die der 81jährige Maler in seinem Neusser Atelier im Hinblick auf die Ausstellung im Bottroper Museum angefertigt hat. Begleitend sind dort ein paar Bilder des genial-konsequenten Analytikers Josef Albers aus dem Bestand des Museum Quadrat zu sehen. Ein „Gespräch“ kommt freilich kaum zustande – zu eigenständig und ausschließlich ist ja auch jeder der beiden Meister.

„Gotthard Graubner – Gespräch mit Josef Albers“ I bis 15. Januar im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop I www.quadrat-bottrop.de

THOMAS HIRSCH

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