Eine Reise fängt mit der Planung an. So auch die Ausstellung im Folkwang: „Reisepläne“ (1875), die winzige Gouache von Adolph von Menzel aus der Sammlung, eröffnet den opulenten Parcours handgemalter und -gestalteter Werbeplakate aus 150 Jahren, die einst Reiselustige in die große weite Welt lockten. Das Bild zeigt betuchte Herren, die sich über eine ausgebreitete Landkarte beugen, angeregt debattierend: Wohin in die Sommerfrische? Meterbreit vergrößert prangt Menzels Miniatur zur Einstimmung an der Wand, direkt neben der Karte mit den beliebtesten Reisezielen um 1900.
Ein üppiger Augenschmaus breitet sich in den ersten Räumen an den Wänden aus, farbenfroh und detailverliebt. Reisewerbung aus dem 19. Jh. illustriert Luxushotels, Casinos an der Côte d’Azur, den Eiffelturm und den Big Ben neben exotischen Tempeln, gern dekoriert mit adretten Damen mit Sonnenschirm, später auch flotten „Strandnixen“. Das Deutsche Plakat Museum hat rund 240 „Sehnsuchtsflächen“ von namhaften Reiseplakatmalern zusammengestellt – ergänzt durch handkolorierte Fotos und Postkarten sowie den Nachbau eines nostalgischen „Kaiserpanoramas“, in dem Stereoaufnahmen von Alltagsszenen aus China, Mexiko und Ägypten anno 1900 eine berührende 3D-Illusion erzeugen, ganz ohne VR-Brille.
Der Parcours durch elf Abteilungen wird selbst zur Reise durch Raum und Zeit sowie mehreren Kulturgeschichten: Tourismus, Sehnsuchtsorte, Verkehrstechnik, Werbung und Plakatgestaltung im Wandel, inklusive Würdigung von elf Plakatkünstlern, die auf Zielgruppenfang einst meisterlich zu Stift und Pinsel griffen. Der Clou: Als literarische Reisebegleitung unterhält uns Felicitas Hoppe mit flott pointierten „Kopfreisen“, die man im Begleitheft selbst lesen oder sich via App von der Autorin vorlesen lassen kann, während man von Bild zu Bild durch die Jahrzehnte schreitet. Bis in die Gegenwart. Moderater Fluglärm schallt durch die Räume: In einem Bereich behandeln Studierende Flugreisen im Klimawandel. Zum Schluss geht es sogar noch höher hinaus: NASA-Plakate im charmanten Nostalgiestil bewerben 2019 die Grand Tour zu den Sternen. Auf geht‘s! Auch wenn der Intro-Text zur Ausstellung mahnt, dass Plakate heute neu zu lesen sind und sich der Blickwinkel auf das Reisen ändert: Die Bilder sind Fernweh-„Futter“. Also nichts wie hin … und weg.
Ferne Länder, ferne Zeiten – Sehnsuchtsfläche Plakat | bis 7.7. | Museum Folkwang, Essen | 0201 88 45 000
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