
Im Jahr 2008 erreichte die globale Finanzkrise mit dem Zusammenbruch der Lehman Brothers, der damals viertgrößten Investmentbank der Welt, ihren Höhepunkt. Statt der eigenen Ideologie zu folgen, wonach Krisen im Kapitalismus systembereinigend wirken, griffen die Regierungen ein und mobilisierten beispiellose Milliardensummen um Finanzkonzerne vor dem Untergang zu retten. Die Begründung: „too big to fail“ – würden Banken dieser Größe untergehen, würden sie ganze Volkswirtschaften mit sich in den Strudel reißen, ein Kollaps des weltweiten Finanzsystems wäre die Folge. Öffentliche Haushalte übernahmen gewaltige Verluste, die ausgerechnet jene Banker und Manager zu verantworten hatten, die zuvor mit unfassbaren Bonuszahlungen stinkreich geworden waren. Die Lasten der Krise wurden den Lohnabhängigen aufgebürdet.
Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren
Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren, ist eigentlich Kern einer marktradikalen Ideologie. Diese stieß angesichts der zu stemmenden öffentlichen Rettungssummen dann aber doch an eine zu offensichtliche Rechtfertigungsgrenze. Die Folge: Selbst Liberale und Konservative forderten eine stärkere Regulierung der Finanzindustrie. Nie wieder sollten Steuerzahler Banken retten. Jedoch, erwartungsgemäß handelte es sich um Lippenbekenntnisse. In diesem Frühjahr strauchelte die Bankenwelt erneut in eine schwere Krise, und wieder mussten Steuerzahler für das Missmanagement der Banker und den Leichtsinn reicher Anleger einstehen. Mit der Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) — immerhin die Nummer 16 in den USA — begann alles; in der Folge strauchelten weitere Banken, unter anderem die 167 Jahre alte Credit Suisse in der Schweiz. Überraschen kann die Pleite der SVB, einem bedeutenden Finanzier der Digitalwirtschaft, indes nicht. Schon eine Weile kämpft die mit rückläufigen Profiten und Massenentlassungen bei Konzernen wie Meta, Twitter, Amazon oder Microsoft. Zudem stagnieren die Nutzerzahlen, sind Werbeeinnahmen rückläufig. Es herrscht Unsicherheit über den Fortgang der Digitalisierung. Doch nicht nur bei den großen Digitalkonzernen gerät die Kapitalverwertung ins Stocken. Das Segment der Tech-Startups ist extrem überhitzt: Mit gigantischen Fremdkapitalhebeln werden kleine Firmen zu „Einhörnern“ hochgejazzt, um mit Milliarden vielversprechende Märkte zu sichern. Hype folgt auf Hype, Traumrenditen locken. Diese Dynamik produziert Erfolgsstorys, aber eben auch gigantische Flops und Rekordverluste.
Trostpflaster für die Bürger
Eigentlich versichert die US-Regierung „nur“ Einlagen bis 250.000 US-Dollar. Damit wären 85 Prozent der SVB-Einlagen nicht versichert gewesen. Ausgerechnet die individualistischen Supermänner aus dem Silicon Valley und von der Wall Street riefen dann aber die Regierung zu Hilfe. Geht doch nicht an, dass all die Investoren und CEOs der Tech-Konzerne ihre „sauer verdienten“ Millionen und Milliarden verlieren. Dabei war den Supermännern vorab bewusst, dass ihre Einlagen nicht versichert sind — dennoch sprang die Regierung ihnen bei.
Was sagt uns das? Die Ungerechtigkeit auf der Welt ist von Reichtum, nicht Armut, geprägt. Sobald (Super-)Reiche — auch selbstverschuldet! — in Schwierigkeiten geraten, öffnen sich die staatlichen Geldschleusen. Der arbeitenden Bevölkerung predigt man gleichzeitig persönliche Verantwortung. Als Trostpflaster gibt’s in der Krise dann und wann läppische Einmalzahlungen, die die Inflation nicht annähernd ausgleichen.
GELD ODER LEBEN - Aktiv im Thema
buergerwerke.de | In der Bürgerwerke eG sind über 100 lokale „Energiegemeinschaften“ in Deutschland vertreten, die Strom und Gas aus ökologischer Erzeugung anbieten.
dwenteignen.de | Die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen fordert vom Berliner Senat „alle Maßnahmen einzuleiten, die zur Überführung von Immobilien in Gemeineigentum erforderlich sind“ und informiert über die Folgen ihres Vorhabens.
hamburg-enteignet.de | Die „Initiative zur Enteignung der großen, profitorientierten Wohnungsunternehmen in Hamburg“ informiert über die Entwicklung ihres Anliegen.
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