Unverbunden stehen die drei Wörter im Filmtitel: Ein wenig wie die fehlenden Kommas wirkt in „Flüsse Täler Berge“ auch die ganze Technik des Films. Der Beitrag zur Schließung des letzten deutschen Schienenwerks 2013 ist geprägt von Lakonie: Aufnahmen vom Betriebsgelände in Duisburg-Bruckhausen; der Blick auf Züge und aus ihnen hinaus; bildfüllend eingeblendete Briefe, die das Aus ankündigten. Scheinbar gereiht statt verbunden, wie montiert statt komponiert: Das Fehlen eines Kommentars ist beim Querdenker-Preisträgerfilm von Marco Kugel geradezu zentrales Gestaltungselement.
Derart in Serie gesetzt wird zweierlei: Zugansichten in Aktion wechseln ab mit reglosen Aufnahmen, die zuweilen wie Stills wirken, Standbilder, eingefroren. Erst wenn etwa der Wind ein paar Blätter verweht, wird so recht klar, dass es kein Foto ist.
Dass Kugel als Träger von Bewegung gerade den Zug wählt, riecht natürlich nach Kunstgriff, wenn es um Schienen geht. Daneben oder: dagegen die unbewegten Abschnitte rund um den Industriebetrieb, der trotz Protesten zum Erliegen kam, begleitet vom Vorwurf, der Konzern Voest-Alpine opfere den Standort zugunsten österreichischer Werke. Die Kopplung wirkt bewusst bis plakativ: Bahn macht mobil, stilllegen heißt Stillstand.
Zu Schließungen im Ruhrgebiet hat es, Stichwort Bergbau-Strukturwandel, schon manche Verarbeitung gegeben, sicher auch emotionale. Beim Filmfestival „blicke 2018“ zog da übrigens auch ein Werkstattgespräch einen anderen Ansatz vor, wo ein Ruhrdorf parallel gesetzt wurde zu einem Kohlegebiet in Kolumbien. Statt Nostalgie mit trauernden Bergarbeitern, hieß es dazu aus dem Leitungsteam, habe man sich damit einmal auf größere Zusammenhänge verlegt. Und nun gibt es zwar bei „Flüsse“ durchaus einmal einen Moment, wo Gefühle ausbrechen und einem hoffnungslosen Vertreter der Belegschaft die Stimme versagt. Aber was beim Film auffällt und im Sinn bleibt, ist vor allem die fast schon betonte Kargheit.
Montagen gibt es übrigens auch innerhalb der eher reglosen Passagen: Protestreden sind zu hören vor freiem, blauem Himmel, Menschen sieht man keine. Trauer? Stille Wut? Resignation? Das bleibt dem Betrachter überlassen.
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